David Baldacci: Exekution

Exekution

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-453-27160-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 19. Februar 2020]
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Intelligent, verwickelt, spannend und mit überzeugendem Personal versehen

Es ist bedauerlich, nicht allzu viel vom Inhalt verraten zu können, denn gerade der Anfang dieses neuen Thrillers von David Baldacci führt zu so vielen Fragen, ist so kunstvoll gestrickt, dass natürlich alles Weitere sich daraus ergibt und bald schon ungeahnte Ermittlungsrichtungen sich auftun werden. Was soll man auch zunächst davon halten, dass ein, bis dahin unbescholtener Bürger, Berater von Geheimdiensten und Inhaber einer Sicherheitsfirma eine ihm scheinbar völlig unbekannte Frau just vor dem FBI-Gebäude unvermittelt erschießt. Und dass nicht die letzte Tote in diesen dramatischen Minuten sein wird. Was zudem genau vor den Augen von Amos Decker stattfindet, der keine Reaktionszeit zum Eingreifen gewährt bekommt.

Was Baldacci ebenfalls von Beginn an in einen Gesamtkontext setzt, der das private Leben seiner Hauptpersonen mit in den Mittelpunkt rückt und so dem Leser Gelegenheit gibt, dem "Mann mit dem Nicht-Vergessendem Gedächtnis" intensiv nahezukommen. Wie auch seiner Kollegin Jamison, eng vertraut mit Amos und mit einer neuen Idee für das zukünftige Wohnen der Beiden ausgestattet, zu dem Decker natürlich erst einmal überhaupt keine Lust hat (was bei ihm aber grundlegend eher die Regel als die Ausnahme darstellt, mit der Unlust gegenüber Neuem und Fremdem). Und auch da, im neuen Haus, ganz oben in der Wohnung, wird Decker unwiderstehlich in Geschehnisse mit hineingezogen, die wieder einmal den ganzen Mann benötigen, um anderen hilfreich zur Seite zu stehen.

Was dann aber familiär sich im Leben von Walter Dabney, dem Mörder, herausstellen wird, welche Rolle präparierte Puppen dabei spielen, wie es aufgrund dessen dem ehemaligen Kindermädchen der Dabneys dabei ergehen wird, wie die drei Töchter sich als Personen zeigen werden und was das alles mit dem Medikamentenschrank der Mutter der drei und Ehefrau Dabneys zu tun hat, das legt Baldacci in seinem ruhigen, sehr fließenden Stil (der aber auch harte Action kann) in stetiger Geschwindigkeit vor.

"Die Frau wurde nach vorne gerissen, als die Kugel ins schrägem Winkel in ihren Nacken einschlug".

Wobei sich Amos Decker von Sperrfeuern aus dem eigenen Lager natürlich erst recht nicht aufhalten lassen wird. Und wenn dann auch noch Melrose Mars, wie Amos Decker, groß, stark und gewichtig, auch einer, dem man nicht krumm kommen sollte, sein goldenes Herz zeigt in jenem Hospiz, das eine nicht geringe Rolle im Fall spielen wird, dann wird die Geschichte vollends rund und überzeugend und packt den Leser ohne Unterlass.

"Können sie sich wirklich an alles erinnern"? - "Mehr oder weniger. Die Betonung liegt auf mehr".

Was Fluch und Segen zugleich ist für Amos Decker. Ein Segen für die Arbeit als Ermittler mit inzwischen festem Wohnsitz statt eines Pappkartons auf einem Parkplatz. Ein Fluch, was seine persönliche Lebensgeschichte angeht, in der er seine ermordete Frau und sein ermordetes Kind ein Leben lang nun ohne sanftes Vergessen vor den inneren Augen haben wird.

Aber wer weiß, vielleicht entfaltet sich ja irgendwann auch so etwas wie ein privates Glück für den Mann. Der seine Jamison unter Umständen noch nicht mit den richtigen Augen angesehen hat, der aber, zum Glück, fest verwurzelt in seinen engen Freundschaften steht und dem Leser Thriller für Thriller immer mehr ans Herz wächst.

Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 31. Januar 2020

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