Robert Galbraith: Weisser Tod

Weisser Tod

Verlag: Blanvalet Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-7645-0698-8

Preis: 24,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2020]
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Sprachlich wunderbar und inhaltlich durchaus auch spannend erzählt

Von Beginn der Reihe um den einbeinigen Privatermittler Cormoran Strike, rau, groß, durchsetzungsfähig, aber auch mit vielen äußeren und inneren Narben versehen, an war dem Publikum deutlich, das hier die Harry-Potter-Schöpferin J.K. Rowling (unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith) einen neuen Ansatz verfolgt. Das Wissen um die Urheberschaft macht es dabei natürlich noch einfacher, den speziellen Stil Rowlings zu erkennen, der sich aus den Harry-Potter Werken durchaus in diese neue "Welt" mit eingebracht hat. Die Vorliebe hier und da für außergewöhnliche Namensgebungen, die auch in Hogwart hätten reüssieren können, der bildkräftige Schreibstil, der langsame Aufbau der Geschichten samt mehrerer Perspektiven und, vor allem, die Freude an den Personen im Buch und die erkennbar differenzierte und liebevolle Gestaltung jener Personen, all das sind Motive und Besonderheiten Rowlings, die bereits für den Erfolg Harry Potters gestanden haben.

So ergibt sich rein sprachlich bereits eine sehr angenehme und flüssige Lektüre, mit mehrfachem Schmunzeln bei manchen Irrungen und Wirrungen im Leben der Protagonisten samt Wortspielen mit verschiedenen Namen (bei denen beim "Minister" verbale und schriftliche Laute des Namens völlig verschieden sind), ohne dass der Duktus des Romans zu einfach oder gar hier und da ins fantastische abgleiten würde. Vor allem, neben dem "Fall", den die Detektei aktuell übernommen hat (ein Minister wird erpresst, aber so ganz klar, wer was wann an Schuld auf sich geladen hat und diese gerne jeder Menge anderer Leute in die Schuhe schieben würde), nutzt Galbraith in diesem Band den Raum zur intensiven Vertiefung der Beziehungen der Personen untereinander und zueinander.

Das Robin heiratet. Ihre Jugendliebe Matthew, hier aber auch ein wenig blind für den Mann ist und schon am Tag der Hochzeit spürt, dass ihr Inneres woanders hin will. Das Cormoran Strike mit dem Satz "Ich liebe dich" massive Schwierigkeiten innerlich hat. Und das vielleicht, dass er sich von jener Person, der er das mit Überzeugung sagen könnte, aus vielerlei Gründen privat fernhält. Dass neue Mitarbeiter zur Detektei stoßen, dass Strike selbst bei allem bärenhaften Auftreten durchaus sehr schwache Momente erlebt, körperlich, was seinen Stumpf und seelisch, was seinen Neffen angeht. Das zudem schwerhörige alte Menschen, eine Blinde und eine sehr viel jüngere Ehefrau mit erkennbaren psychischen Problemen dabei ihre Kreise ziehen, das ergibt ein sehr dichtes, intensives Bild der Beziehungen zueinander und der Atmosphäre im London kurz vor Beginn der olympischen Spiele an sich.

Eine Widerstandsgruppe gegen all das, was das Establishment ausmacht, wird versuchen, einzugreifen und alte Rechnungen einzufordern, so dass, Seite für Seite, zum letzten Drittel hin Spannung fühlbar sich breit macht und mit einigen überraschenden Wendungen der Leser gebannt der Auflösung entgegenliest, welches Kind unter Umständen tatsächlich durch wen zu Schaden gekommen ist und er von all den politisch und kämpferisch Beteiligten seine Finger in aktueller Erpressung und früherem Mord im Spiel hatte und wer eigentlich mit wem welches Verhältnis genau hat.
Fazit
Komplex, sehr flüssig in der Sprache, ruhig im Erzähltempo und dennoch mit langsam steigernder Spannung versehen, eine Lektüre, die sich lohnt und die darauf hinweist, dass auch Cormoran Strike und seine Robin ebenso überzeugend ihre Kriminalfälle angehen, wie Harry Potter Hogwarts gerettet hat. Was auf der ausgeprägten Liebe der Autorin zur gründlichen Erzählweise beruht, die dabei nie langweilig kleineilig gerät, sondern immer im Dienst der Geschichte diese verdichtet.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 31. Januar 2019

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