Stephen King: Erhebung

Erhebung

Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-453-27202-6

Preis: 12,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 18. Dezember 2018]
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Etwas anders als sonst und wie immer glänzend erzählt

Eine Kurzgeschichte, die King wie nebenbei in letzter Zeit vielleicht auch noch geschrieben hat, neben seinem vor kurzem erschienen, wie sonst üblich sehr umfangreichen Roman. Aber ein echter "King" ist das, keine Frage, denn die Eckpunkte sind allesamt wieder gut zu erkennen: am sich immer tief einlassen auf die Figuren, was King, in der Regel und auch hier, nicht durch psychologisieren oder monologische Darstellungen dem Leser nahe bringt, sondern durch das Erzählen seiner Geschichte und das beständige Handeln der Personen in dieser. Wie dabei die Hauptfigur Scott bei einem 12 Kilometer Lauf jener Frau "unter die Arme greift", die ihn als Nachbarin ansonsten überaus von oben herab behandelt, das sagt allemal deutlich mehr aus als es andere Versuche von Erläuterungen hinbekommen hätten.

Das Leben in einer kleinen Stadt, die gleichgeschlechtliche Liebe, die freie Entscheidung eines Mannes, seinen Weg auf seine Weise zu gehen, Reibungen und Auseinandersetzungen, das geduldige "sich vertraut machen", viele Elemente lässt King, wie gewohnt, spielerisch auf die eher wenigen Seiten miteinfließen, so dass dem Leser ein plastisches, klarer, emotional dichtes Bild der Handlung und der Personen vor Augen geführt wird, das, ebenfalls wie immer, den Leser auf Anhieb mitten hinein in diese besondere Geschichte zieht. Bei der, das ist für Stephen King nicht unbedingt üblich, die "Ursache" für das fast "metaphysische" (im wahrsten Sinne des Wortes) Geschehen nicht weiter erwähnt und noch nicht einmal Andeutungen zu einer möglichen Ursache vermerkt. Was, und darin zeigt sich die Kunst des flüssigen Erzählers, überhaupt nicht weiter ins Gewicht fällt oder stört oder ablenkt.

Scott wird immer leichter. Aber nicht so, wie in einem anderen, alten Werk Kings, das dies auch zu sehen wäre im anorektischen Sinne. Der Körper bleibt unverändert, die Kleidungsgrößen ebenfalls, kein Gürtel muss enger geschnallt werden. Mehr noch, alles, was dieser Scott in die Hand nimmt, verliert ebenfalls sein reales Gewicht. Wohin das führen mag? Das kann man mit Spannung lesen, Seite für Seite.

Wobei jene eher unscheinbare Szene nebenbei, als es fast zu einer handfesten Prügelei vor einem Diner kommen könnte, eine Art Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung darstellt. Bei der gutmütige, freundliche, aber auch seinen Ärger wenig wahrnehmende, eher defensive Scott sich mehr und mehr so sehr "erleichtert" fühlt, endlich auch hartnäckig für sich und das, was ihm wichtig ist, einzutreten. Ein Prozess, der mit einer "Erhebung" gleichzusetzen ist. Wörtlich und im übertragenen Sinne. Mit den Schmerzen des Loslassens ebenso, wie mit dem "traurigen Glück", einander seinen Weg zuzugestehen und einander auch gehen lassen zu können.
Fazit
Einfach gelungen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 29. November 2018

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