Andreas Gruber: Todesreigen

Todesreigen

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-48313-6

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2020]
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Anregende Unterhaltung mit etwas zu viel Offensichtlichkeit

Da meint es einer ernst. Mit seiner "Rache". Nicht nur, dass nacheinander gestandene Beamte, die alle ehemals der "Gruppe 6" des BKA angehörte, auf mehr oder weniger grausame Art und Weise den Tod finden, nein, genau diesen Männern und Frauen wurde zuvor ein enges, nahestehendes Familienmitglied genommen. Wobei der Täter weder vor Ehefrauen noch vor Kindern zurückschreckt. Zudem verbindet die Gruppe der Beamten ein Geheimnis, dass allen so schützenswert erscheint, dass sämtliche Ermittlungen in den verschiedenen Fällen in dem Augenblick energisch behindert werden, wo sie der "Gruppe 6" zu nahekommen könnten. Sei es Sabine Nemez, Musterschülerin von Maarten S. Sneijder (aktuell vom Dienst suspendiert), sei es deren enge Kollegin Tina Martinelli. Beiden droht, der Fall entzogen zu werden.

Was vielleicht das geringere Übel darstellt, vertraut man Sneijders Worten, der auf seine bärbeißige und misanthropische Art und Weise beide Frauen warnt. Und dann doch, wider Willen, eingreifen muss. Weil man eben nicht auf ihn hört. Was er selbst zu verantworten hat, denn er hat ja genau die notwendige, aber auch gefährliche Hartnäckigkeit zumindest in Sabine Nemez hineingepflanzt und gehegt und gepflegt. Schon der Prolog zeigt dabei auf, dass Gruber weiterhin rasant und spannend zu erzählen versteht. Mit der Einfügung einer zweiten Erzähllinie um "Hardy", frisch aus dem Gefängnis entlassen und getrieben von dem Willen, damalige Ereignisse dringend noch klären zu müssen, erweitert Gruber dabei geschickt die Perspektive für den Leser um eine leicht zeitlich versetzte Handlung und Rückblicke in die fernere Vergangenheit.

Wobei gerade in dieser Erzähllinie doch im Lauf der Ereignisse zu offenkundig Spuren gelegt werden, was das Motiv hinter den Taten sein könnten. Auch wenn die ein oder andere Wendung in die Ereignisse kommen wird, zumindest dem Anschein nach ist dem Leser zu früh klar, in welche Kreise das "Komplott" reicht und wer wohl verantwortlich sein wird. Allerdings, ein wenig offen bleiben sollte man schon für die ein oder andere neue Information und Wendung zum Ende der Lektüre hin.

Vorangetrieben und ergänzt wird die Handlung dabei zudem durch die differenziert agierenden und gezeichneten Figuren, die sich nicht nur in der immer wieder erfrischenden Härte und Unfreundlichkeit Sneijders seinen Mitmenschen gegenüber erschöpft. Sowohl die vermeintlich "rechtschaffene Seite" der BKA Beamten als auch die "Connection" früher Jahre um Hardy herum, wie auch die beiden weiblichen Ermittlerinnen, die irgendwann "hinter den Kulissen" agieren müssen, strahlen Plastizität und Lebendigkeit aus. Besonders gelungen sind dabei die "taube Nora" mit ihrer aufrechten Art und, ein Glücksgriff, "Krzysztof", den Sneijder in Ermangelung anderer Optionen als "Assistenten" an seine Seite holt (eher zieht). Ob Boxring oder Swimmingpool, da kommen ganz eigene Verhörmethoden ins Spiel, die mit Härte, aber auch lakonischem Humor dem Buch gut zu Gesicht stehen.

Das Sneijder dabei menschliche Regungen zeigt und um einen "alten Feind" mehr zu trauern versteht als um "unzuverlässige Freunde", dabei aber immer ganz flüssig alles um sich herum zur Weißglut bringt (Herrgott, wie kann man bloß so stur sein" ist da noch das Mindeste), sorgt immer wieder für eine gut gesetzte Würze an Dialogen in den Abläufen. Bis hin zum "Romeo", in dem Sneijder sich (in allen Ehren natürlich) zu entspannen pflegt (was kein billiges Bordell ist, keineswegs. Zumindest nicht billig).
Fazit
Alles in allem flüssig und mit Tempo erzählt, insgesamt aber eher nur leidlich spannend, dafür mit anregenden und gut ausgestalteten Figuren versehen.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. September 2017

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