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Robert Hültner: Lazare und die Spuren des Todes

Lazare und die Spuren des Todes

von Robert Hültner
Verlag: btb Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-75659-9

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. Juli 2021]
Verzweigtes kriminelles Netz mit hohem Bedrohungspotential

Eigentlich empfindet Lazare diese Abkommandierung als reine Schikane. Wie sonst soll es ein erfahrener Kriminaler auffassend, wenn sein Direkttor, Gridoux, ihn, Siso Lazare in die Provinz nach Séte sendet um ein einfaches "nicht nach Hause Kommen" eines jungen Mädchens mit aufzuklären? Ein Einsatz, der im Übrigen nicht nur damit begründet wird, dass Lazare einigermaßen arabisch zu sprechen versteht. Sondern auch, dass damit der Hintergrund des jungen Mädchens als moslemisch gesetzt ist und dies in den gegenwärtigen Zeiten durchaus an sich schon von Bedeutung sein könnte.

"Wenn Sie einen Beruf suchen, der ihnen erlaubt, sich nur die Rosinen herauszupicken, sind Sie bei der Polizei am falschen Platz". Ein klares Machtwort, bei dem Gridoux sich ebenso wie Lazare (noch) nicht bewusst sind, dass es bei diesem Fall um alles andere, aber nicht um Rosinen handeln wird.

So macht sich Lazare nach Séte auf und Schritt für Schritt entfaltet Hültner nun vom ersten Eintreffen des Kommissars bei den Kollegen (wenig begeistert über die Einmischung von Außen) ein immer breiter verzweigtes Netz krimineller Strategien und Aktivitäten, die deutlich mehr als nur das Leben eines jungen Mädchens in Gefahr bringen. Und da umgehend auch der inzwischen aus den Lazare-Thrillern bekannte Richter Simoneau umgehend Kompetenzen an sich zieht (was tut man nicht alles für eine wenig Presse und Aufmerksamkeit), erschweren nicht nur die "Gegner da draußen" Lazare das Leben, sondern auch "nach Innen" muss er achtsam bleiben. Was alles nicht verhindert, dass er sich nach kurze Ermittlungszeit bereits das erste Mal in der Klinik im Bett wiederfindet, Niedergeschlagen auf dem Weg, die Spuren des Mädchens zu finden und ihnen zu folgen.

Was das alles damit zu tun hat, dass Schüsse in den Bergen fallen, eine Katze tot aufgefunden wird und ein Mann hoch erregt über den Zustand seiner Böden ist, die er kaufte, um ein Geschäft Schritt für Schritt aufzubauen, scheint zunächst gar nichts mit dem Verschwinden des Mädchens zu tun zu haben. Doch wer Hültner kennt, bleibt auch hier aufmerksam, denn auch dieser Fall ist auf mehreren Ebenen mit verschiedenen anderen Ereignissen verbunden. Wozu auch die hintergründigen Interessen der Kripo-Staatsschutzabteilung in Person des Commandant Bernard de Soto gehören.

So entfaltet sich am Ende nie ganzer Reigen von verschiedenen Interessen, die mal mehr, mal nur am Rande mit dem Verschwinden der jungen Frau und der moslemischen Gebetsgemeinde zu tun haben werden, denen Lazare als erstes auf der Spur ist. Bis es Hültner, wie auch im ersten Thriller um Siso Lazare, wieder einmal gelungen ist, ein komplexes Bild der Wirklichkeit der Moderne dem Leser vor Augen zu führen, dass am Ende den Glauben an das Gute im Menschen wiederum erschüttert und auch die Hoffnung auf "Happy Ends" bei Verbrechen nichts vollends unterstützen wird.

Denn wo man um Kommissar Lazare auch hinschaut, es geht nur um eigene Interessen, um das "schnelle" und möglichst "viele" Geld, um Eitelkeiten auch bei Ermittlern und deren Verfolgung teils ebenfalls weitgehend eigener Interessen. Wie in seinem gesamten Werk führt Hültner auch in diesem Thriller die politischen Motivationen, die Gier der Menschen, die Strategien im Dunkeln und den fast "verlorenen Posten" des "Guten" umfassend vor Augen.
Fazit
Hültner bietet Tiefgang, fundiertes Wissen, Spannung zum Ende hin und überraschende Wendungen, die es verschmerzen lassen, dass wieder einmal kein klarer, stringenter und überschaubarer Fall zu Grunde liegt, sondern der Thriller durchaus auch an manchen Stellen zu sehr diffundiert.

Im Gesamten eine sehr anregende und empfehlenswerte Lektüre.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 16. Juli 2021

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