Robert Hültner: Inspektor Kajetan: Die gesamte Reihe in drei Bänden

Inspektor Kajetan: Die gesamte Reihe in drei Bänden

Verlag: BTB [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-77077-9

Preis: 36,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2020]
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Akribisch, spannend und der Zeit genau entsprechend

Es beginnt kurz nach 1918. Räterepublik, Absetzung der Monarchie, Kurt Eisner ist Chef der Regierung in München mit seiner USPD. Welche die Wahl krachend verliert. Auf dem Weg, seinen Rücktritt mitzuteilen, wird Eisner erschossen. Soweit die Historie, die Robert Hültner im ersten Band seiner Romane um den (da noch) Kriminalinspektor Paul Kajetan, Der in München, später aber vor allem im Umland, Ermittlungen in Mordfällen nachgeht, die alle auf den ersten Blick relativ klar oder einfach unlösbar erscheinen, aber immer überraschende Wendungen nehmen und den Leser, unmerklich fast durch die hohe Erzählkunst des Autors, mehr und mehr wie in einen Sog in die jeweiligen Ereignisse hineinzieht.

Mit einer zentralen Figur, die stur, aber auch gebrochen, fast einsiedlerisch, aber irgendwie auch Liebe suchend sich darstellt. Einer, der nicht locker lässt, aber bei Weitem nichts von einem klassischen Helden mit markanten Gesichtszügen und athletischem Körper besitzt und auch nicht so überlegen, vorausschauend und kombinationssicher wie ein Sherlock Holmes ist. Einer, der danebenlangt, das Herz immer auf dem rechten Fleck trägt, sich nicht abschütteln lässt, Gefahren für sich selbst meist ignoriert und dennoch auch schlotternd vor Angst anzutreffen ist in manchen Momenten.

Und einer, der vom ersten Buch an, Schritt für Schritt, auch unter die Räder der Zeit gerät. In der hinter den Kulissen so manche Großkopferte, vermeintlich aufrechte Vorgesetzte, vermeintlich bauernschlaue Dorfbewohner oder vermeintlich ehrbarer Adel sich, Schritt für Schritt, von einer neuen "Bewegung" einfangen lassen. Die zwar keine besonderen Erfolge bei Wahlen oder Putschversuchen vorzuweisen hat (im Gegenteil), aber in der äußeren Unterschätzung einen passenden Deckmantel findet, sich Personen in zentralen Schaltpositionen der Gesellschaft zu versichern oder Getreue in solche Positionen zu bringen.

Was nicht nur in den großen Linien zeitgeschichtlich spannend zu lesen ist, sondern von Hültner mit spielerischer Leichtigkeit und immer passendem Stil auf das einzelne Leben herunter gebrochen wird. Nicht nur, was Kajetan angeht, auch in denen, denen er begegnet, leuchten die markanten Charakteristika der Zeit selbst im persönlichen Leben hindurch. Die große Inflation und Arbeitslosigkeit, Kajetan selbst ist betroffen und hervorragend umgesetzte Figuren mit ihm, die dem Leser Lokalkolorit und intensive emotionale Nähe zu den Ereignissen ermöglicht.

Sei es auf dem Dorf, wo sich hier und da der "Over-Tourismus" bereits ankündigt und von dem ein oder anderen umgehend als Geschäftsidee ohne Skrupel umgesetzt werden will. Oder wenn aufrechte Adlige und "Militär-Helden" zu sterben haben. Wegen Gier, hier und da auch, weil sie zu viel wissen über die wahren Hintergründe der "EK-Verleihungen" an Adolf Hitler.
Fazit
Armut und Dekadenz, ideologische Härte und liberale Gesinnungen, Rot gegen Schwarz, der Versuch, in all dem Mensch zu bleiben und die eigenen Werte nicht hinten über fallen zu lassen, gepaart mit durchweg interessanten, verwickelten und mit überraschenden Wendungen versehenen Fällen (auch wenn nach 2-3 Bänden ein gewisses System dem Leser langsam vertraut wird und er jeweils weiß, wem von den Figuren er nicht vertrauen sollte), all das macht die Kriminalromane der Jahre zwischen 1919 bis in die dreißiger Jahre des Jahrhunderts hinein überaus lesenswert, interessant und mit einem Einblick versehen, der durchweg von der akribischen Recherche und der Nähe des Autors zum damaligen Zeitgeschehen kündet.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, Band für Band.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 16. August 2020

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