Harlan Coben: Der Junge aus dem Wald

Der Junge aus dem Wald

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-20615-5

Preis: 15,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 26. Oktober 2020]
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Routiniert verfasst und flüssig zu lesen

Zunächst trügt der Titel ein stückweit schon. Denn zwar bildet jener "Wilde", der damals, vor Jahrzehnten, alleine und wohl ausgesetzt im Wald gefunden wurde, eine der wesentlichen Figuren dieses Thrillers, aber um dieses bis dato unaufgeklärte Auffinden im Wald geht es nicht. Das bildet nur hier und da eine Art roten Faden, der auf zukünftige Bände um Wilde hinzuweisen scheint.

Im vorliegenden Thriller geht es eher um zwei Jugendliche, einen Jungen und ein Mädchen, sehr verschieden in der Person, sehr verschieden im Hintergrund der Familien, einander auch nicht unbedingt zugetan, außer man betrachtet systematisches Mobbing als eine Form der "Zuwendung".

Doch eines haben beide später gemeinsam. Beide sind für eine Weile verschwunden. Ist das eine Art Challenge, wie sie Naomi bereits früher durchgeführt hat? Ist es ein Durchbrennen eines heimlichen Liebenspaares? Gehören die beiden Fälle überhaupt zusammen? Welche Rolle spielen bei Beiden Vater und Mutter (in ganz verschiedener Hinsicht).

All diesen Fragen geht Coben nach, dies aber hier und da ein wenig ungeordnet, als würde die reine Menge der Themen, die Coben verarbeitet, den Überblick ein stückweit schrumpfen lassen.

Das Mobbing, das zunächst im Mittelpunkt der Fälle steht, spielt am Ende nurmehr wenig Rolle im Verlauf der Ereignisse, Klimaprobleme, mächtige Männer, die die Welt "von oben" zu ändern gedenken, die politische Hufeisentheorie, die schwierige Rolle der social media, die moderne Art eine "Teilen und Herrschen", die angestrebt wird, die Macht der Talk-Shows, die Konturierung der Gesellschaften in erbitterte gegensätzliche Lager, all das spielt zu Zeiten je eine Rolle im Thriller. Nähert man sich dabei dem Kern der Ereignisse an (einem konkreten Videomitschnitt), dann ist auch das Ende des Thrillers keine sonderlich große Überraschung mehr.
Fazit
Was Coben dabei aber gut und unterhaltsam versteht, ist ein Blick in den Hintergrund der politischen Strategien (auf nur wenigen Seiten erläutert Coben klar und für jeden Leser verständlich, wie das in der Gegenwart mit der Einflussnahme, mit Bots und mit Medienstrategien funktioniert. Dass sein "Rusty Eggert" durchaus an einen realen amerikanischen Präsidenten erinnert, passt hier tatsächlich bestens ins Bild.

Auch Wilde als Figur ist interessant gezeichnet, der Hintergrund seines Schicksals bleibt über den Thriller hinweg offen und hält den Leser neugierig.

So dass, im Gesamten, ein gut lesbarer, zwar thematisch etwas überfrachteter, Thriller vorliegt, der solide unterhält und einige Rätsel zumindest über den größten Teil der Lektüre hinweg dem Leser vor Augen führt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 25. September 2020

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