Hans Rosling: Factfulness

Factfulness

Verlag: Econ Ullstein List Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-550-08182-8

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Sehr empfehlenswert in einer Welt der "Fakes"

Die "gefühlte" Wahrheit ist nicht immer der beste Gradmesser für das, was, soweit es möglich ist, objektiv feststellbar ist bei den konkreten Fragen, um die es je geht. Die "behauptete Wahrheit" kann auf falschen Annehmen beruhen, kann eine rein subjektive Überzeugung widerspiegeln, die der Realität bei genauem Hinsehen nicht standhält oder gar eine bewusste Lüge darstellen, die eben nur mit dem Brustton der Überzeugung behauptet wird.

Angesichts der immensen Informationsdichte der Gegenwart und angesichts dessen, dass immer schon, wenn es um "Auslegungen" ging, jeder aus schriftlichen oder mündlichen Vorlagen je ganz eigene Schlüsse gezogen hat und angesichts der Fülle von behaupteten "Fake-News" in den Nachrichtenmedien und, vor allem, der Welt der social media, ist es ein zwar anstrengender, zeitraubender und auch eher trockener Prozess, die objektiven Fakten zu sammeln, soweit es solche gibt, aber anders wird man dem, was unter "Wahrheit" zu verstehen ist, kaum wirklich nahe kommen. So bildet dieses neue Werk von Hans Rosling in sich nicht nur zur Illustration eine ganze Reihe von Sachverhalten dar, die durch klare Analyse zu überraschenden Ergebnissen führen, sondern ist vor allem als Plädoyer für mehr Sachlichkeit und gründliche Überprüfung aller möglichen "Behauptungen" und "Überzeugungen" und "Empfindungen" zu verstehen.

Wie schon im Klappentext ausgeführt (und auch das ist empirisch nachweisbar): "Wenn wir Menschen Fragen über den Zustand der Welt beantworten sollen, liegen wir regelmäßig falsch". Dies nicht zu überprüfen bedeutet dann zugleich, den weiteren Verlauf von Argumentationen und Folgerungen auf falscher Grundlage vorzunehmen und dies wiederum führt zu einer verwirrenden Fülle einander widersprechender Haltungen und Behauptungen, wie sie aktuell fast täglich zu "bestaunen" sind. Schritt für Schritt geht Rosling im Buch jenen "Instinkten" nach, aufgrund derer Menschen zu teils felsenfesten Überzeugen gelangen, von der "Kluft" zur "geraden Linie", von Beeinflussung durch "Angst" über die Neigung zu "Verallgemeinerungen" oder der glaube an nur "eine mögliche Perspektive" und andere "Instinkte" mehr, die im Alltag zur Bildung von "Meinungen" und "Überzeugungen" führen.

Auf dem Hintergrund der Arbeit Roslings und seiner Mitarbeiter ging es zu Beginn zunächst darum, "Unwissenheit systematisch zu messen", um dann die Ursachen dieser häufigen Unwissenheit zu analysieren. Und bieten, Schritt für Schritt den Leser mit überzeugenden Argumenten überzeugend, ein anwendbares System gegen "Unwissenheit" heraus, die Methode der "Factfulness". Wozu es grundlegend zunächst nötig ist, die eigene, innere Freiheit herzustellen, um zulassen zu können, "über das Offensichtliche" hinausdenken zu können, statt das, was einem an Eindrücken und Impulsen, an Fakten und Erfahrungen begegnet, umgehend nur dahingehend zu "behandeln", dass es für die eigene Haltung und Überzeugung je "passend" gemacht und gedacht wird.

Schon der erste, einfache Multiple-Choice Wissenstest, den Rosling zu Anfang bietet und der unterhaltsam auszufüllen ist, führt zu teils ernüchternden Ergebnissen eigener "Fehleinschätzungen". Ein Test, dessen Ergebnis übrigens noch nicht einmal von "höheren Bildungsgraden" statistisch signifikant beeinflusst wird. Mit der Erkenntnis, "…und nicht nur falsch, sondern systematisch falsch". Nicht als die Breite des Wissens, sondern die "automatische, reflexhafte, instinktive" Herangehensweise an die Prüfung von Sachverhalten ist grundlegend nicht stimmig.

Mit klaren Hinweisen im Buch im letzten Kapitel, wie sich "Facfullness" in Schule, Journalismus, Geschäftsleben, in Organisationen, in Gemeinschaft oder in das ganz individuelle Leben einbringen lassen kann. Klare Hinweise, welche die Lektüre dieses Buches an sich, vor allem aber aktuell, überaus mit Gewinn versieht. Auf dem Weg zu einer "faktengestützten Weltsicht" statt einer "instinktgesteuerten Weltsicht".

"Wenn wir über eine faktengestützte Weltsicht verfügen, können wir sehen, dass die Welt nicht so schlecht ist, wie sie erscheint – und wir können erkennen, was wir tun müssen, um sie besser zu machen".
Fazit
Was am Ende alles gar keine unbedingt neuen Erkenntnisse mit sich bringt, aber das Wissen um die "Macht der Fakten" doch nachhaltig und überzeugend im Leser verankert.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 02. Mai 2018

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