Karl-Heinz Reuband (Hg.): Oper, Publikum und Gesellschaft

Oper, Publikum und Gesellschaft

Verlag: Springer Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-658-12925-5

Preis: 64,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. Oktober 2018]
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Ein kultureller Status Quo

"Kein Land auf der Welt gibt so viel Geld für die Künste aus und hat eine so dichte Kulturlandschaft wie Deutschland".

Was mit dem Gedanken einer "nationalen Einheit" selbst zu Zeiten der "Kleinstaaterei" eng verbunden ist und bis zum heutigen Tag der Kultur einen zentralen Stellenwert in der Gesellschaft einräumt (und bis dato finanziell auch relativ garantiert). Und in diesem kulturellen Leben und Schaffen nimmt traditionell die Oper und die Opernhäuser (mit im Vergleich den höchsten Personalkosten im Rahmen kultureller Institutionen) einen herausragenden Platz (mit) ein. Was aber steht an, gerade für die Oper? Ein gewisser Publikumsschwund ist aktuell nicht zu übersehen, Sparmaßnahmen werden gefordert, Fördergelder gekürzt. Oder deutet der weltweit verbreitete Bau neuer Opernhäuser und Konzertsäle, oft zugleich neue Wahrzeichen der Städte, auf eine "verheißungsvolle Zukunft"?

Fragen, denen das Buch mit seinen diversen Autoren strukturiert und fundiert nachgeht. Gerade im Blick auf das, was die Zukunft der Oper wirklich ausmacht, die "Gesellschaft", in der, Generation für Generation (und in der Gegenwart besonders erforderlich) sich die Kunst immer wieder neu installieren muss, will sie überleben. Gelingt es, jüngeres Publikum schon im Kinderalter durch besondere Maßnahmen anzusprechen? Welche Bedeutung hat die Oper (noch oder überhaupt) gesamtgesellschaftlich? So wird der Rezipient, das Publikum zunächst und dann darüber hinaus in diesem Werk Teil einer empirischen Untersuchung, die auch einen objektiven Blick in Ansätzen zumindest erlaubt.

Folgerichtig wendet sich das Werk dann auch nicht einer "Opern-Theorie" zu, sondern legt die "Wechselwirkungen zwischen Oper und Gesellschaft" als ersten Hauptteil zur Grundlage. Verfolgt im Weiteren, wie "Gesellschaftliche Umbrüche und Transformationen" inklusive "Saalschlachten in Oper und Konzert" durch, mit und um die Oper als Institution sich gesellschaftlich niederschlugen und wirft im dritten Hauptteil dann einen differenzierten Blick auf die Rahmenbedingungen der Oper mitsamt der Erkenntnis, dass sich das Publikum der Oper doch in wichtigen Motivationen und Haltungen "von anderen Kulturpublika unterscheidet". Was letztlich zur differenziert dargelegten Diskussion der "Motive des Opernbesuches und ihre soziokulturellen Prägungen führt".

Insgesamt also findet der Leser im Werk nicht eine weitere Darlegung von Musik, Komponisten, Bedeutungen bestimmter Opern, sondern eine, im Stil eher trockene und mit Statistiken versehene Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Oper und Gesellschaft, der Folgerungen aus dieser Wechselwirkung mitsamt Ideen und Anregungen für eine einerseits Bewahrung von Traditionen und andererseits eine Transformation der Formen im Anblick sich ändernder Ansprüche und Verhältnisse. Eine Klärung "auf der Grundlage repräsentativ angelegter empirischer Erhebungen", sollen "die ästhetisch-kulturellen Bedürfnisse der Zuschauer zum Thema gemacht werden" bis hin zu aktuell ablesbaren "Inszenierungspräferenzen".
Fazit
Somit bietet das Werk zum einen einen Beitrag zur sozialkulturellen Wissenschaftsdiskussion, und zum anderen handfeste empirische Erkenntnisse für im Bereich Schaffende und Verantwortliche, "Ihr Publikum" besser einschätzen zu können. Das ist im Werk gründlich und in den Methoden dann überzeugend gelungen, bietet aber keine leichte Lektüre "für nebenbei", sondern Bedarf des Interesses am Thema und einer konzentrierten Lesehaltung.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 09. Februar 2018

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