Hannes Stein: Nach uns die Pinguine

Nach uns die Pinguine

Verlag: Galiani [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-86971-156-0

Preis: 19,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. Oktober 2018]
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Eine überwiegend anregende Lektüre

Vor allem der Ort der Handlung und das "Weltszenario" drum herum ist es, in Verbindung mit der sehr flüssigen und passenden Sprache Steins, was diesen schmalen (offiziellen) Kriminalroman zu einem anregenden Lesevergnügen gestalten. Wobei Stein, was vielleicht zur Zeit der Abfassung des Buches noch gar nicht so deutlich mit der Problematik um Nord-Korea im Raume stand, die Anfänge der, im Buch bereits geschehenen, weltweiten Katastrophe und "Vernichtung" weiter Teile der Menschheit genau jenen Punkt in den Mittelpunkt setzt, der aktuell von vielen kompetenten Sicherheitsfachmännern und -Frauen warnend vor Augen gesetzt wird.

Wie sich aus begrenzten Konflikten, Missverständnissen, Provokationen umgehend eine weltweite Katastrophe entwickeln kann. Was Stein nicht dezidiert seitenweise beschreibt, was bei ihm auch nicht in Asien den Anfang nimmt, sondern was, wie nebenbei, im Verlauf der Lektüre dem Leser in seinen Hintergründen immer klarer bekannt gemacht wird. So erklärt sich dann auch, was es mit diesem Kreuzfahrtschiff auf sich hat, dass vor Stanley, der Hauptstadt der Falkland-Inseln, als nun wohl dauerhafte Unterkunft für die Passagiere dient.

Vordergründig aber geht es um Mord. An einem der beliebtesten Menschen unter der überschaubaren Einwohnerzahl. Und das Motiv und, vor allem, wie dieser Mord überhaupt vollzogen werden konnte. Was Stein Gelegenheit gibt, eine ganze Reihe von Figuren näher zu beleuchten, die durchgehend je von einer gewissen "Exotik" umgeben sind und weiterhin Gelegenheit gibt, ab und an Nachrichten "aus dem Rest der Welt" in die abgeschlossene Gemeinschaft auf den Inseln eindringen zu lassen. Die ironisch und mit einer guten Portion Humor zwar daherkommen. Ein Lachen, was dem Leser allerdings umgehend nach einigen Sätzen im Halse steckenbleibt. Denn auch die zweite, große Konfliktfläche der Gegenwart, das Widererstarken teils esoterischer, teils traditioneller religiöser "Fanatismen" treibt in einer Art und Weise in den einzigen beiden "Rest-Kommunen" der Menschheit außerhalb der Falklands kaum zu glaubende, durchaus auch grausame Blüten.

So dass, insgesamt, der (eher an sich nicht sonderlich bewegende oder spannende "Kriminalfall") mehr und mehr in den Hintergrund tritt, um die eigentlichen Anfragen des Buches zur Wirkung kommen zu lassen. Was und warum (um alles in der Welt) die Menschheit aktuell umtreibt, sich selbst, das Fortbestehen des Planeten und die Zukunft aller so in Frage zu stellen. Eine Anfrage, die Stein trotz aller anregender und humorvoller Weise der Darstellung letztlich nicht positiv beantwortet. Denn auch in der Gegenwart des Romans, selbst in der eher sachlich-vernünftig orientierten Gemeinschaft der "Reste" menschlicher Zivilisation auf den Falklands kommt von "außen" wiederum Unvernunft mit ins Spiel und auch von "innen" scheint es nicht möglich zu sein, fanatisches, auf sich bezogenes Denken wirklich abzuwehren (was wieder zum Mord und seinem Motiv führen wird). Das einzig bedauerliche an der Lektüre ist, dass die Einzigartigkeit von Flora und Fauna der Falklands und die ganz besondere Lebensatmosphäre dort ein wenig spärlich behandelt wird, so dass dieser raue, entlegene, aber sehr interessante geographische Ort zu wenig plastisch mit im Raum schwingt.
Fazit
Dass aber vielleicht die mindestens 13 Pinguinarten auf den Inseln tatsächlich dem Menschen als "Herren der Falklands" nachfolgen könnten (wenn nicht gar weltweit), das ist ein Gedanke, der sich nach der Lektüre des Buches mit seinem wunderbar doppeldeutigen Titel zumindest eine gewisse Geltung verschafft.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. September 2017

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