Angie Thomas: The Hate U Give

The Hate U Give

Verlag: C. Bertelsmann Jugendbuch Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinder- und Jugendliteratur
ISBN-13 978-3-570-16482-2

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. Oktober 2018]
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Bestens getroffene Atmosphäre von leger bis hart

Starr ist 16 Jahre alt. Farbig. Lebt im "Ghetto". Und hat, aufgrund ihrer Intelligenz und klug sorgender Eltern einen Platz an einer Privatschule. Eine von wenigen Farbigen dort. So erlebt der Leser Starr in zwei Welten. Mit ihren Freundinnen, als begabte Basketballspielerin, mit ihrer erste "Liebe" Chris in der "weißen" Welt und als fest verwurzelte junge Frau mit ihren Freunden und Freundinnen aus der Kindheit, mit ihrer Familie (in interessanter Konstellation), im Laden ihres Vaters, angesichts von rivalisierenden Gangs in der "farbigen" Welt.

Und ebenso steht Starr (und damit der Leser) in einer Reibung und Spannung der Werte. Hier die klassische Teenagerwelt mit ihrer Sucht nach "Jordans" an den Füßen, mit Partys, mit den pubertär schwankenden "besten Freundinnen" und dem Interesse an den "Jungs" (bestens getroffen die Szene in der Sporthalle, in der die Mädchen sich bewusst ungeschickt anstellen, um von den männlichen Schülern sich die Würfe "hautnah" erklären zu lassen).

Und dort Gewalt und Härte, die Starr traumatisch miterleben muss, als einer ihrer engsten Kindheitsfreunde sie nach einer entgleisten Party nach Hause fährt. Und ein Streifenwagen die beiden farbigen Jugendlichen anhält. Wobei Starr und ihren Freunden und Freundinnen von Kinderbeinen an eindringlich anerzogen wurde, wie man sich zu verhalten hat angesichts "weißer" Polizei. Immer die Hände sichtbar lassen, keine schnellen Bewegungen, höflich-unterwürfig im Umgangston, ja nicht bewegen. Und dennoch. "115", so die Dienstnummer des (weißen) Polizisten. Eine Verkehrskontrolle, die eskaliert und am Ende Khalil, den vertrauten Freund Starr's mit drei Schüssen im Rücken tot am Boden zurücklässt. Wobei, so einfach schwarz und weiß ist es eben nicht, was passiert. Denn Khalil gehörte einer Gang an und verdiente sein "Taschengeld" vielleicht gar mit Drogen.

Dennoch, die unseligen, häufigen Ereignisse von drangsalierten, bedrängten, "einfach so" erschossenen Farbigen, von Nächten, in denen sich die Familie im einzigen Raum des Hauses aufhält, der keine Außenwände besitzt ("Kugeln wissen manchmal nicht, wohin sie wollen"), der Aufruhr nach der Beerdigung, die Frage gar nicht mehr nach "Wahrheit", sondern nach "Gerechtigkeit", die allzu oft, auch im Buch, unbeantwortet bleibt, all das prägt das das Leben der jungen Starr und wird von Angie Thomas völlig unprätentiös, in genau passendem, legeren Tonfall und präzise treffender Atmosphäre ein um das andere Mal auf den Punkt gebracht.

Die legeren Umgangsformen in der farbigen Welt, der "Black Jesus", die Sorge der Eltern, das Leid von Hinterbliebenen wird dabei genauso lebendig dem Leser vor Augen geführt, wie die Versuche, in beiden Welten leben zu können (Starr selbst, vor allem aber auch ihr Onkel Carlos, farbig und Polizist). Eine Spannung, die zu einem, für Starr kaum erträglichen, "Verrat" ihrerseits am toten Khalil und damit an ihrer "Herkunftswelt" führen wird.

Das ist die eine Erzähllinie, stark im Vordergrund, die Auseinandersetzung Starr's mit sich selbst und der Frage, was richtig und falsch ist und welchen Preis es kosten darf, nicht "unangenehm aufzufallen" und zum anderen, den Leser mitten hinein zu nehmen auf die "andere Seite", in das "innere des Ghettos", das deutlich mehr ist als nur ein Ort. Wie nebenbei prallen die Welten aufeinander, findet der Leser jenen Onkel Carlos als jemanden vor, der inmitten eines umzäunten und gesicherten gehobenen "weißen Wohnviertels" vor und zugleich als Teil einer Familie und Welt, in der so mancher "Bruder" einer "Auftragsbegegnung" entspricht. Eine Welt, in der der harmlos scheinende und eigentliche normal wirkende Versuch der Eltern Starrs, ein klares, geordnetes und gutes Leben zu führen, immer wieder starken Belastungen ausgesetzt ist.
Fazit
Ein Buch, dass sich wie in einem Rutsch durchliest, in sich stimmig konzipiert ist und dem Leser die Augen öffnet, wie es sich eigentlich anfühlt, "da draußen" ausgesperrt zu sein und ständiger, oft grundloser Gewalt in die Augen blicken zu müssen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 31. Juli 2017

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