Elly Griffiths: Engelskinder

Engelskinder

Verlag: Kindler Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-8052-5096-2

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. Oktober 2018]
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Ruth Galloway ist Forensische Archäologin und lehrt an der Universität North Norfolk in King’s Lynn. DCI Harry Nelson hat sie kennengelernt, als sie im ersten Band der Reihe die Polizei von Norwich als Expertin zu einem Knochenfund beriet. Als in der Burg von Norwich bei Bauarbeiten ein älteres Frauenskelett mit einem Eisenhaken als Handprothese gefunden wird, vermutet man, dass es sich um das Skelett von Jemima Green handelt, die im 19. Jahrhundert als Kindsmörderin "Mother Hook" verurteilt wurde. Ruth Galloway, inzwischen alleinerziehende Mutter der kleinen Kate, wird von dem historischen Fall unerwartet aufgewühlt. Ruth, die Archäologie als Lebensinhalt wählte, weil sie die Lebensbedingungen der einfachen Leute interessierten, beginnt zu recherchieren, ob Jemima Green damals unschuldig einer Rufmordkampagne zum Opfer gefallen sein könnte. Als Babyfarmerin, einer Tagesmutter des 19. Jahrhunderts, kann Jemima Green kein ausschließlich schlechter Mensch gewesen sein, wie bisher kolportiert wurde.

In der Gegenwart wird der Ort durch zwei weitere Fälle beunruhigt, die kleine Kinder betreffen. Eine Mutter wird verdächtigt, dass es bei inzwischen drei Fällen von plötzlichem Kindstod nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann und ein kleines Kind wird mitten aus dem beschaulichen Kings Lynn heraus entführt. Während Ruth noch über Jemima Greens Tagebuch sinniert, taucht ein Fernsehteam auf, um einen Beitrag über mordende Frauen zu drehen, und Ruth erhält Schützenhilfe von Frank Barker, einem US-amerikanischen Fachmann zur viktorianischen Epoche. Ruth erhofft sich von Frank Informationen zu Jemimas Lebensbedingungen, die die Unschuld der Frau beweisen könnten. Ruth und Frank gemeinsam wären das ideale Team, um den Fall Jemima Green aus wissenschaftlicher Sicht abzuschließen, ohne die Frau vorschnell zu verurteilen.

Die Verknüpfung von drei verschiedenen Fällen mit Kindern als Opfern lässt die Emotionen im Ort kochen, jeder glaubt die Motive anderer zu kennen und beurteilen zu dürfen. Als Alleinerziehende, die ihr Kind von einer Tagesmutter betreuen lässt, ist Ruth von vorschnellen Urteilen über gute und verantwortungslose Mütter besonders leicht zu verletzen. Die Ereignisse lassen sie über Muttergefühle nachsinnen, über das soziale Ansehen von Müttern und über Eifersucht unter Frauen, die sich jeweils für die besseren Mütter halten.

Elly Griffiths knüpft im 6. Band ihrer Reihe um Ruth Galloway als zentraler Figur ein imponierendes Netz aus miteinander verbandelten Figuren. Die Verbindungen sind so kompliziert, dass sich Ermittlungsergebnisse kaum geheim halten lassen. Nur ein kleiner Ausschnitt aus dem komplizierten Netz: Harry Nelson ist der Vater von Ruths Tochter Kate, seine erwachsenen ehelichen Töchter spielen im Fall eine Rolle, Cathbard, der freakige Druide, ist der Großvater eines vor circa 8 Jahren verschwundenen Mädchens (in einem Fall, der Harry Nelson bis heute auf der Seele liegt). Für Leser, die neu in die Reihe einsteigen, sollte der Verlag über eine Beziehungs-Skizze der handelnden Personen nachdenken.

Als Leser erlebt man Ruth Galloway in diesem Krimi einerseits als Mutter, sowie als nüchterne Wissenschaftlerin mit Respekt für die Toten. Ruth hält sich selbst nicht für gläubig, zeigt jedoch Gespür für religiöse und abergläubische Einstellungen anderer. Dass Ruth als Archäologin Frank über den brüchigen Knochen einer über 100 Jahre alten Toten kennen- und liebenlernt, fand ich unfreiwillig komisch, sehe es aber auch als Ausdruck von Elly Griffiths makabrem Humor.

Reihenfolge der Serie:
1. Totenpfad
2. Knochenhaus
3. Gezeitengrab
4. Aller Heiligen Fluch
5. Rabenkönig
Fazit
Norfolk, als Reiseziel bisher eher unter Anglern und Seglern bekannt, liefert den stimmungsvollen Hintergrund für mehrere miteinander verknüpfte Fälle, in denen kleine Kinder die Opfer sind. Der späte Einstieg in die Serie ist möglich, aber anspruchsvoll.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 19. Juli 2017

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