Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila

Mehr Schwarz als Lila

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-87134-175-5

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. April 2017]
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In schwarzen Klamotten kann man sich und seine Probleme verstecken. Die 17-jährige Alex liebt Schwarz. Sie hat es nicht leicht ohne Mutter und mit einem alleinerziehenden, meist schweigsamen Vater. Als der charismatische Referendar Daniel Spitzing in die Klasse kommt, verliebt Alex sich hemmungslos in ihn. Im ersten Überschwang verliert sie die Gefühle anderer aus dem Blick, Daniel Spitzings Empfindungen und die ihres besten Freundes Paul. Spitzing tritt schwarz gekleidet und lässig auf wie ein älterer Schüler. Ob gerade Deutsch oder Geschichte auf dem Stundenplan steht, nimmt er nicht so genau. Der Referendar will einiges anders machen als der erkrankte Fachlehrer. Die Schüler sollen zu Beginn seiner Stunden 5 Minuten lang schreiben ohne den Stift abzusetzen. Der frische, unverstellte Blick auf Sprache und Literatur fesselt auch die schlechteren Schüler. Doch als Alex, Paul und Ratte sich ungefragt in Daniels Leben einnisten, muss der umschwärmte Referendar Alex unmissverständlich klarmachen, dass er keine Beziehung zu einer Schülerin haben will.

Als Dreierbande bilden Alex, Paul und Ratte eine Notgemeinschaft von Außenseitern, die besonders Paul eine Ersatzfamilie bietet. Paul fühlt sich zuhause gegenüber seinem behinderten Bruder oft zurückgesetzt. Mit Pauls Geschichte faltet Lena Gorelik einen eigenen Roman im Roman auf. Die Clique spielt beinahe suchtartig miteinander das Was-wäre-wenn-Spiel. Mit zunehmend erotischem Unterton testen sie Grenzen aus, wer was von sich preiszugeben bereit ist. Bisher haben die Drei sich gegenseitig nur spielerisch verbal provoziert und zu peinlichen Geständnissen getrieben. Doch neuerdings kommen die Behinderung von Pauls Bruder, Rattes gewalttätiger Vater und Alex mutterloses Dasein auf den Tisch. Dass die Drei stets gemeinsam auftreten, hätte Spitzing zu denken geben sollen, als er in Paul einen Seelengefährten und Lieblingsschüler zu sehen beginnt. Das Verhältnis zwischen der Dreierbande und ihrem Lehrer eskaliert ausgerechnet während der Klassenfahrt nach Polen. Alex küsst in Auschwitz Paul; das Bild macht sofort die Runde in den sozialen Netzwerken. Ausgerechnet die eloquentesten Schüler der Klasse haben vergessen, wo sie sich befinden und ihre Schule und ihre Lehrer damit blamiert.

Alex kurze Sätze wirken so kindlich, dass ich Zweifel daran hatte, ob sie vom Erwachsenwerden nicht heillos überfordert sein würde. Als reichlich planlose Hauptfigur sucht sie während des Erzählens, in der Du-Form direkt an Daniel gerichtet, den Anfang der Geschichte. Dabei wickelt sie Lebensläufe voller Sehnsucht nach abwesenden Eltern auf, das Suchen Jugendlicher nach sexueller Identität und nach der eigenen schwarzen Seite.
Fazit
Knutschen in Auschwitz als Thema eines All-Age-Romans wirkt als starker Tobak, aber auch als Suche danach wie Geschichte unterrichtet wird und wie Erinnerungen funktionieren. Goreliks Helden sehen zwar so aus wie Helden einer Coming-of-Age-Geschichte, sie sind es jedoch nicht. Es geht in "Mehr Schwarz als Lila" um das Erwachsenwerden, um Respekt, Grenzübertretungen und um persönliches und historisches Erinnern. Weil das Thema auch Grenzen zwischen Generationen überschreitet, Jugendlichen ab 12 Jahren wie Erwachsenen unbedingt empfohlen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 16. Februar 2017

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