Stefan Ahnhem: Minus 18 Grad

Minus 18 Grad

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-471-35124-6

Preis: 16,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. März 2017]
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Hervorragend

Minus 18 Grad ist die Temperatur, die ein Tiefkühltruhe in der Regel als "Arbeitstemperatur" durchgehend hält. Was ein passender Titel und ein guter Hinweis dafür ist, warum denn am Steuer eines verunfallten BMW ein Mann sitzt, der in bester Weise tiefgekühlt wurde.

Warum aber, wozu und, vor allem, wie es sein kann, dass der Pathologe eine Zeitdauer von zwei Monaten ansetzt, was den Todeszeitpunkt angeht und dennoch Bankberater, Makler und andere steif und fest behaupten, in den letzten Tagen erst mit dem Toten verhandelt zu haben, das verwirrt nicht nur den Leser, sondern vor allem zunächst ebenso Kommissar Fabian Risk und seine Ermittlungsgruppe bei der schwedischen Polizei.

Wenn dann noch klar wird, dass der Tote vermögend war und wenn dann noch deutlich wird, dass das wohl nicht der einzige merkwürdige Todesfall der letzten Monate, gar Jahre ist, sondern sich genau solche "Gefrier"-Verbrechen häufen, dann ahnen die Ermittler, dass hier ein ausgeklügeltes Verbrechen vorliegt.

Wie ausgeklügelt und wie skrupellos und hart der Täter vorgeht, das wird spätestens bei einem versuchten Zugriff in einer Bank klar.

Wo die Ermittler dem Täter bereits eng auf den Fersen sind nach etwa der Hälfte des Thrillers, noch lange kein Land in Sicht sehen werden. Zu klug ist der Täter.

Während zugleich die degradierte dänische Polizistin Dunja sich mit einem "Happy Slapping" auseinandersetzen muss, das droht, ihr noch den letzten Job bei der Polizei zu nehmen, dass droht, Tote über Tote nach sich zu ziehen (bis dahin, dass Ahnhem mittels eines Einkaufswagens dem Leser brutale Schockmomente vor Augen führen wird). Und doch glaubt ihr kaum jemand der Kollegen und wird sie ihre Reputation immer mehr verlieren, weil einer ihrer ehemaligen Vorgesetzten Rache zu nehmen gedenkt. Das er ertappt wurde bei Dienstverletzungen, das Dunja es wagte und wagt, ihm die Stirn zu bieten.

Während Risk Sohn Thomas in gefährliche Kreise gerät, aus Liebe. Während Risk Frau Sonja auf Abwege gerät und nicht nur die Ehe mit Risk aufkündigt, sondern auch in Gefahr schwebt, ohne es zu wissen. Während Risk Vorgesetzte dem Alkohol verfallen scheint und die Ermittlungen nicht nur einmal in Gefahr bringt. Und zudem einer der kompetentesten Ermittler noch ganz andere Geheimnisse zu hüten scheint. In seinem Kleiderschrank, aber auch in der untersten, verschlossenen Schublade seines Schreibtisches.

Mitgenommene, gestrauchelte, sehnsüchtige, kämpfende, kluge und borniert Figuren, Anaheim setzt sein "Personal" vielschichtig und differenziert und baut im Hintergrund an Zusammenhängen, die dem Leser lange Zeit unklar sein werden, die aber dennoch von Beginn an vorhanden sind. Gepaart mit einem überaus intelligenten Verbrechen, mit skrupellosen Tätern, die in Teilen mehr Opfer als Täter sein könnten und mit allgegenwärtigen Gefriertruhen, in denen Ahnhem mit glasklarer Sprache dem Leser so gut wie nichts erspart auch an Härte und Verkommenheit, baut sich von Beginn an eine menschliche Tiefe und eine ebenso anregende Spannung auf, die über die gesamte Strecke des Buches nicht nachlassen.

Bis hin zum, ein wenig kurzen, aber ebenso mitreißend geschilderten Finale und dem "Ausblick" auf den wohl nächsten Fall.
Fazit
Ein Thriller, in dem Gut und Böse verschwimmen und Ereignisse, die auch in den Reihen der "eher Guten" Schneisen hinterlassen werden. Beste Thrillerkost.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 13. Februar 2017

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