Richard Ehrlich: Face the Music

Face the Music

Verlag: Steidl [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-86930-966-8

Preis: 50,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. Februar 2018]
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Auge in Auge mit Legenden der Musik

Es ist nicht "Musik" im eigentlichen Wortsinne, der sich der Betrachter dieses aussagekräftigen Bildbandes gegenübersieht, es ist Musik in den Gesichtern von Musikern. Es sind die wegweisenden Protagonisten, die Richard Ehrlich fotografisch "hörend" treffend portraitiert und zu denen Joel Selvin treffende (englische!) Anmerkungen hinzufügt. Wobei es mit am spannendsten im Buch ist, die zerklüfteten Gesichter der "Alt-Stars" nah und weitgehend bloß vor sich zu sehen. Die "Front-Gesichter", die Bände zu erzählen wissen über ihr inneres Empfinden der Musik. Kontemplation ist dabei der passende Ausdruck zur Beschreibung der Gesichtsausdrücke.

Ein nach innen gekehrt Sein im Blick, in der ganzen Haltung. So wie bei Ringo Starr, der sich im Moment der Fotografien innerlich seinem Drum Spiel bei "Come totgehet" zugewendet hat. Oder Graham Nash mit seinem feinen Lächeln, der inneren Musik horchend. Gut und gelungen ist es, das jeweils zu den Portraits erläutert wird, welchem konkreten Song die Musiker gerade lauschen, auf welche Texte, welche Noten ihre innere Resonanz sich abspielt. Ein bis vier Lieder sollten die 41 im Buch versammelten Musiker sich für die fotografischen Sitzungen wählen. Das dabei Roger Daltray sich Edith Piaffier zuwendete, ist ebenso überraschend, wie Herb Alperts Nähe zu "Nessum Dorma".

Tränen bei Rosanna Cash und Michael Bublé vor Ergriffenheit, ein verzücktes, entrücktes Lächeln mit geschlossenen Augen bei Lani Hall, das "Mit-Dirigieren" durch Mickey Hart mit den geheimnisvollen Brillengläsern, die in den kleineren Aufnahmen (bei jedem der Künstler ergänzen drei kleinformatige Portraitaufnahmen je das "Titelbild") Abgesetzt wird. Bis hin zur erkennbaren "Genuss-Freude" bei Joe Walsh. Es sind intime Aufnahme von großer Natürlichkeit, die Ehrlicher in diesem fünf-Jahres Projekt gesammelt hat, Aufnahmen, die persönliche Momente des "Hörens" einfangen, während die meisten der Musiker ansonsten dem breiten Publikum in der aktiven Rolle des Gestalters bekannt sind. Bilder der Stille, so kann man es auch benennen. Der Konzentration und Resonanz. Auch wenn hier und "mitgespielt" wird, wie Gerald Wilson, dessen Hände die imaginären Klaviertasten "bedienen" zum Blues oder Verdine White, der die Musik innerlich wie äußerlich erkennbar auf einem "Air-Baß" begleitet.
Fazit
Ein interessantes, intensives Experiment, das dem Leser einen ganz anderen Blick auf teils weltbekannte Persönlichkeiten der Musik gewährt.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 25. Oktober 2016

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