Dieser Debütroman von Chip Cheek beschreibt die Flitterwochen eines jungen
Paares in einem kleinen Urlaubsort an der Ostküste der USA in den 1950er
Jahren. Es wird ein Flair generiert, welches mancher Leser vielleicht schon von
Richard Russo, Paul Auster, Elizabeth Strout oder Truman Capote kennt. Effie und
Henry sind neu verheiratet. Beide kommen aus Georgia und kennen sich seit ihrer
Schulzeit. In ihrer Kindheit mochten sie sich jedoch nicht besonders. Erst vor
kurzem haben sie zueinander gefunden und es hat Klick gemacht.
Sie planen, ihre Flitterwochen zu verbringen und reisen in den malerischen
Küstenort Signal Creek, um einige Tage in Cape May zu genießen. Effie hatte
hier früher immer mit ihren Eltern die Sommerferien verbracht. Sie schlug
diesen Ort vor, da sie ihn gerne wieder besuchen und die schönen Erinnerungen
auffrischen wollte. Henry stimmte sofort zu, ohne weiter nachzudenken. Dabei
hatten beide nicht bedacht, dass die Urlaubszeit bereits vorbei war. Als sie in
Signal Creek ankommen und ihr Ferienhaus beziehen, wirkt der Ort nahezu
verlassen. Viele Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, und ein Schild
kündigt an, dass man sich auf ein Wiedersehen mit den Gästen im nächsten Jahr
freut.
Effie begegnet rein zufällig einer Freundin aus ihrer Kindheit, als sie mit
ihren Eltern oft hierher kam. Auch Clara verbringt mit einigen Freunden ein paar
Tage in der Gegend, um einen Geburtstag zu feiern. Aus Höflichkeit akzeptieren
Effie und Henry die Einladung. Trotz der vorgespielten Vertrautheit empfinden
sie jedoch eine gewisse Entfremdung, da die Menschen, Orte und Ereignisse, über
die gesprochen wird, ihnen völlig unbekannt sind. Clara hat jedoch den Wunsch,
dass es länger dauert. Nachdem ihre Gäste abgereist sind, bleibt sie noch
einige Tage mit einem Freund und dessen Schwester und überzeugt Effie und
Henry, ebenfalls zu bleiben. Ursprünglich hatten die beiden Flitterwöchler
bereits entschieden, ihre Flitterwochen vorzeitig zu beenden, da es zu Beginn im
Ort zu langweilig für sie war. Aber im Umgang mit Clara und ihren Freunden
verändert sich alles, und sie entdecken die Freude daran, unbeschwert den Tag
zu genießen und zu feiern. Niemand von ihnen ahnte jedoch, dass diese Tage sich
zu einer erheblichen Katastrophe entwickeln würden und ihr ganzes Leben auf den
Kopf stellen würden.
Chip Cheek gelingt es, durch seinen Stil einen einzigartigen Charme zu kreieren
und aufrechtzuerhalten. Er präsentiert die beiden Hauptfiguren lebhaft, indem
er deren Leben, Emotionen, Familien und Träume durch verschiedene Szenen,
Dialoge und innere Gedanken entfaltet. Man hat das Gefühl, die beiden wirklich
zu kennen. Die Spannung in diesem Roman »Tage in Cape May« entsteht genau
dadurch. Seit dem Moment, als Clara auftritt, hat man als Leser das Gefühl,
dass etwas schiefgehen wird. Die jungen, frisch verheirateten Effie und Henry
sind sich nicht bewusst, in was für eine Situation sie sich begeben. Man kann
als Leser kaum abwarten, wie es mit den beiden weitergeht.
Trotz der aufregenden Handlung in »Tage in Cape May« störten mich die
ausufernden erotischen Ausführungen des Autors. Der Sex scheint aus der
Perspektive eines pubertierenden Jungen beschrieben, der beim Schreiben ständig
seinen eigenen Penis in der Hand hält. An mehreren Stellen quillt das Ejakulat
zwischen den Seiten hervor. Mit Verlaub: Der Roman hätte auch ohne diese
orgasmischen Szenen gut funktioniert.
Fazit
Leser, die an Romanen aus dem Amerika der 1950er Jahre interessiert sind,
sollten unbedingt zu diesem Buch greifen. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig,
sich auf zahlreiche intensive pornografische Szenen einzustellen.
Vorgeschlagen von Detlef Knut
[Profil]
veröffentlicht am 31. Januar 2026 2026-01-31 09:10:20