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Jan Jepsen, Kester Schlenz: Der Schattenmann

Der Schattenmann

von Jan Jepsen, Kester Schlenz
Verlag: btb Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-442-77132-5

Preis: 16,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 17. April 2024]
Dunkle Schatten der Vergangenheit

"Er wünscht sich weit weg. In eine andre, bessere Welt. Hält sich am Stoff fest. Dann spürt er, wie der Mann seine Decke zur Seite schlägt".

Der Prolog verrät, zumindest auf den ersten Blick, Lesern und Leserinnen bereits den Hintergrund, das Motiv dessen aus der Vergangenheit, was in der Gegenwart reichlich brutal und obskur vonstattengeht. Eine Ahnung und ein Vorwissen, das Kommissar Knudsen sicherlich gerne auch zur Verfügung hätte, als er den ersten Tatort betritt. Der sich in kurzer Zeit nach vorne hin schon bald als nur einen von nicht wenigen Tatorten sehr "kreativer" und brutaler Morde herausstellen wird.

"Du musst das Wasser sehen, wenn der Durst kommt. Klares, kaltes Wasser".

Nur dass der Mann namens Tarnow sich in keiner Form mehr rühren kann. Egal, wie er sich auch bemühen wird. Was nur eine der Tötungsarten ist, die der Eindringling auf Lager hat. Andere, ebenso perfide und grausame Morde werden folgen. Und an jedem Tatort hinterlässt der Mörder groß und ins Auge fallend an die Wand geschrieben mysteriöse, fast philosophisch klingende Kurznachrichten.

Knudsen aber tappt im Dunklen. Überaus. Er findet zunächst weder ähnliche Tathergänge in den Akten, noch eine erkennbare Verbindung zwischen den Opfern noch hat er eine Idee, welches Motiv hinter der Mordserie stecken könnte. Eher zufällig bringt ihn sein väterlicher Freund, Oke Anderson, der "Lotse", einer, der sich in allen Winkeln Altonas und den "Elbgeschichten" auskennt, schrittweise auf eine Idee.

Ein überaus düsterer Krimi ist es von der Atmosphäre her, den die beiden Autoren als "Schattenmann" auf den Weg bringen. Zu einem Thema des Umgangs mit Kindern in gewissen "Institutionen" ("Das kalte Haus" im Roman), das in den letzten Jahren, richtig und wichtig, durchaus mehr und mehr Thema der öffentlichen Diskussion und der auch fiktionalen Literatur geworden ist. Ein Thema, das immer bei der Lektüre an den Nerven zehrt, wie auch die plastisch geschilderten Morde im Roman durchaus hier und da gute Nerven bei Lesern und Leserinnen benötigen.

Die Irrungen und Wirrungen der Ermittlungen, die düstere Stimmung halten bei der Lektüre spielend Tempo und Spannung aufrecht, auch wenn es eine ganze Weile dauert, bis die Figuren etwas griffiger und vertrauter werden und die Rollen mancher Nebenfiguren (jener Besucher beim Abendessen z.B., der schnell und schnellen Schrittes seinen großen Körper entfernt, als ihm bekannt wird, das Knudsen Kommissar ist) klarer vor Augen treten.

Die Grausamkeit, zu der Menschen fähig sind, einfach so oder aus tiefliegenden Rachegefühlen heraus, die ist allerdings dabei stetig präsent und nicht einfach zu verkraften.
Fazit
Eine flüssige, in den Bann ziehende Lektüre, die hier und da den Zugang zu den Protagonisten nicht immer einfach gestaltet, aber jederzeit Spannung zu bieten hat.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Lesefreund [Profil]
veröffentlicht am 24. November 2023

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