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Dmitry Glukhovsky: Outpost – Der Aufbruch

Outpost – Der Aufbruch

von Dmitry Glukhovsky
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-3-453-32187-8

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. Mai 2024]
Frappierend die Gegenwart von der Zukunft aus weitergedacht

Man weiß nicht, ob man es sich wünschen soll. Was natürlich jedwede Form der destruktiven Dystopie, die Glukhovsky so meisterlich je in Buchform zu beschreiben weiß. "Outpost" aber, eine Reihe, von der "Der Aufbruch" den zweiten Band darstellt, ist doch sehr nahe dran an den Ängsten der Gegenwart. Und noch einmal durch das Geschehen des "Wagner-Marsches auf Moskau" zentral in den Blick gerückt.

Was ist, wenn Russland zerfällt? Eine Ordnung nicht mehr existiert? Wenn ganz andere, irre Personen plötzlich "die Musik" zu spielen scheinen? Und an roten Knöpfen spielen könnten? Ohne jede Berechenbarkeit außer der, die in Russland schon so lange zu gelten scheint. Dass eben nichts sicher rund berechenbar ist. Dass man gestern noch einen hohen Rang und scheinbares Vertrauen genossen hat und jetzt mit dem Rücken zur Wand steht.

"Wenn einem der erste Mann der Armeespionageabwehr eine Frage stellt, muss man wohlüberlegt, aber in erster Linie schnell antworten"

Oder man kann entweder nie mehr antworten oder wird an einen Ort gebracht, wo kein Normalsterblicher mehr die eigenen Antworten hören würde. Auch wenn in dieser Science-Fiction kein Krieg, sondern ein Virus die Ordnung hat zusammenbrechen lassen, zum Bürgerkrieg führte und nicht eine Schar harter Kämpfer von der Ukraine Front. Vielleicht nicht ganz zerfallen, wer wie das schon genau in solchen Zeiten? Aber dafür muss sich eine junge Frau, Michelle, auf den gefahrvollen Weg ins Zentrum des russischen Reiches, nach Moskau, aufmachen.

Wo wieder ein Zar herrscht. Nach Gutdünken. Und alle anderen darauf achten, still und angepasst ihren Alltag zu überstehen. Was den Reichen in ihren Gebieten naturgemäß leichter fällt, unbedingt sicherer sind diese allerdings auch nicht. Mit teils grandiosen Sprachbildern, jederzeit die Gefahr im Hintergrund lauern lassen und voller Andeutungen fesselt Gluckovsky den Leser fast spielerisch und bringt seine Protagonisten immer näher in Gefahren. Sei es untereinander, sei es jener großen, ominösen Bedrohung gegenüber, die "da draußen" irgendwo und noch ungreifbar lauert.

Dass der Dissident Glukhovsky seine Bedrohungslage im Roman und seine Härte immer auch doppeldeutig meint, unter der Decke dystopischer Szenen und harter Momente auf die Realität bezieht, dass ist auf jeder Seite des Romans offenkundig und birgt eine noch deutlichere Nähe zu all den Ereignissen der Gegenwart. So ist es nicht schwer, das "Virus" als Gegner irgendwo da draußen mit seinen bluttriefenden Folgen für jeden, der sich ihm aussetzt oder aussetzen muss, als Teil der aktuellen "Krankheit der Welt" 8nicht nur in Russland" zu identifizieren.

Wo den Menschen gezielt und professionell mehr und mehr die "Sinne vernebelt" werden sollen und es nur noch darum zu gehen scheint, wer die überzeugenderen Troll Fabriken anführt und die aufkommende KI in rücksichtslosester Form auf die Menschen "loslässt".
Fazit
Von dieser politischen und gesellschaftlichen Dimension abgesehen, die im Roman deutlich die tiefere Ebene bildet, ist vor allem zu konstatieren, dass Glukhovsky auch sein sprachliches Handwerk beherrscht und den Roman stilsicher, hart, teils brutal und mit klarem roten Faden voranbringt. Man kann als Leser und Leserin ohne Weiters bereits die Bilder einer möglichen Verfilmung vor Augen sehen und fiebert nicht nur mit der jungen Michelle und ihrem Begleiter und Gefährten mit.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Lesefreund [Profil]
veröffentlicht am 06. Juli 2023

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