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Michael Rautenberg: Zen in der Kunst des Coachings

Zen in der Kunst des Coachings

Verlag: Carl-Auer Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-8497-0354-7

Preis: 29,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. April 2021]
Gestaltung des "Begegnungsraumes"

Das die Philosophie des Zen und die Methoden zur kontemplativen Haltung durchaus mit einem Coaching oder einer Beratung einhergehen können (und das sogar Besten), liegt auf der Hand, wenn man sich mit den Haltungen beider Situationen beschäftigt.

Achtsamkeit; sich selbst gewahr werden, Ruhe hineinbringen, ein stückweit in Distanz zum Alltag und den "Gedankenkreiseln" gehen, körperlich werden, einen "Zwischenraum" bauen und gestalten, all das sind Momente, die vielleicht in der systemischen Therapie und dem Zen unter Umständen andere Begrifflichkeiten finden, in der Sache aber sehr nahe beieinander liegen. Und auch wenn zunächst konzeptionelle Grenzen überschritten werden und etwas Zusammengedacht wird, das bereits seine je eigene Geschichte erlebt hat, gelingt Michael Rautenberg in seinem Werk eine überzeugende Darlegung der "Schnittmengen" beider Herangehensweisen an das Leben und dessen Aufgaben und Hindernisse und somit am Ende der Lektüre eine fast natürlich und genuine Verbindung zwischen systemischem Coaching und Zen.

Da, wo in einer Kommunikation der Beratung und der Problemlösung echte Zuwendung und Hinwendung geschieht und spürbar wird, da entfaltet sich der Prozess der Selbstexploration des Klienten ebenfalls am besten. Das hat schon Carl Rogers untersucht und festgestellt, das ist in der systemischen Beratung und im Zen nicht anders. Dennoch wirkt es zunächst etwas befremdlich, wie leicht Rautenberg der Spagat zwischen eher philosophischer Haltung und praktischer Beratung fällt. Wobei sich Seite für Seite das Ziel des Werkes, die Erläuterung einer besonderen "Facette" im Beratungsgeschehen, die nun die dialogische Philosophie mit der Systemtheorie zusammenführt.

"Damit entsteht ein Ansatz, der nicht in erster Linie psychotherapeutisch begründet ist" oder, etwas anderes ausgedrückt, es geht um ein "Loslassen" (althergebrachter Glaubenssätze wie routinierter Methoden), um "einer neuen Qualität des Sich-Einlassen willen".

Und Rautenberg geht dem, für den Leser, gründlich nach. So legt er im ersten teil seien "Quellen", die Traditionen, Haltungen und Methoden, aus denen er schöpft, offen, um dann überzugehen in den zweiten und Hauptteil des Werkes, in dem fundiert, teils kleinteilig, immer aber verständlich die Zusammenhänge zwischen Zen und systemischem Coaching benannt werden (Training der praktischen Haltung, Ich-Identität als "Sackgasse" persönlicher Entwicklungen; oder ein klares "Lass bloß los" mitsamt Verbindungen zum "Unmittelbaren" oder zum "Absurden und das Jetzt" bis hin zur "Ruhe des Geistes" und anderen wesentlichen Eckpfeilern dieser Verbindung zweier Disziplinen).

Wie sich dies dann praktisch umsetzt in konkreten Beziehungen, davon kündet der dritte Teil des Werks und löst den ein und anderen "Aha-effekt" bestens aus, bis im vierten und abschließenden Teil des Werkes konkrete Möglichkeiten der praktischen Umsetzung vorgelegt werden.
Fazit
Im Gesamten verstärkt sich das Interesse beim Leser immer mehr, gerade weil Rautenberg über ein gerütteltes Maß an praktischen Erfahrungen im Feld bereits verfügt und damit spielerisch leicht Methoden, Instrumente und die Haltung des Zen (aber auch die des Coach) überzeugend zusammenführt.

Eine interessante, rundweg zu empfehlende, Neues aufzeigende und praktisch motivierende Darlegung, die jede Seite lohnt.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 11. März 2021

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