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Anna Felnhofer, Stephanie Galliez, Oswald D. Kothgassner: Therapie-Tools problematische Mediennutzung im Kindes- und Jugendalter

Therapie-Tools problematische Mediennutzung im Kindes- und Jugendalter

Verlag: Beltz [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-621-28780-7

Preis: 44,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. März 2021]
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Medienverhalten in breiter Therapie-Relevanz

Handys bieten dem Nutzer eine unaufgeforderte Möglichkeit, die durchschnittliche Nutzungsdauer und Bildschirmzeit pro Tag anzuzeigen. Und wer dort genauer hinschaut, bei sich zunächst, wird sehen, dass die Nutzung von Medien mittels technischer Geräte und Internet Verbindung nicht nur mehr und mehr Zeit auf sich zieht im Lauf der Jahre, sondern auch, gerade bei Kindern und Jugendlichen, fast die Beschäftigung mit dem meisten Zeitaufwand des Tages überhaupt darstellt.

Ständige Verfügbarkeit, "unterwegs sein im Net", soziale Medien ausführlich "bedienen", um verbunden zu sein, zu bleiben, sich zumindest verbunden zu fühlen ist inzwischen ein zentraler Bestandteil des alltäglichen Lebens, nicht nur, aber vor allem und sehr bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Was zum einen ja tatsächliche "Verbindungen" ermöglicht, die in früheren Zeiten quasi unvorstellbar waren in Menge und zeitlicher Intensität, was eine hohe informationsdichte zudem für alle relevanten und Nebenthemen des Lebens ermöglicht. Was aber auch Inhalte präsentiert, die ein heranwachsender Mensch zunächst nur schwer einordnen kann und deren Differenzierung in jungen Jahren kaum möglich ist. So wundert es nicht, dass zunehmend in therapeutischen Situationen gegenüber Kindern- und Jugendlichen und in der Familientherapie die Nutzung, der Umgang und die Funktion der Medien einen ebenso zentralen Stellenwert einnimmt.

Medienkompetenz aber, im Sinne eines Wissens um die Vor- und Nachteile der einzelnen Medien im Sammelbecken des Internet, ebenfalls im Sinne der Selbstreflexion der eigenen Nutzung digitalen Medien, der Umgang mit der Sicherung der eigenen Daten und damit des eigenen privaten Bereichs und die Möglichkeit, schädliche Inhalte "zu filtern" ist daher ein ebenso wichtiger und integraler Bestandteil des persönlichen Umgangs mit den digitalen Medien.

Hier sind, natürlich, die Erziehenden gefragt, vor allem die Eltern. Die einerseits Vorbild für Nutzung und Reflexion von Medien und deren Inhalten sind, die aber ebenso eine Verunsicherung in sich tragen, da sie (weitgehend) vom Alter her (noch) nicht "digital natives" sind.

Diese Lücke schließt das vorliegende Werk profund und kompetent. Mit vielfachen Methoden und Techniken versehen, welche sich für die Vermittlung von Medienkompetenzen und Interventionen aus der Praxis heraus als wirksam erwiesen haben.

Übersichtlich gestaltet und mit einer Vielzahl an Arbeitsblättern, und Übersichtsmöglichkeiten versehen (die auch erweitert im Online Bereich des Werkes zur Verfügung gestellt werden), kann der im Feld Handelnde umgehend gezielt thematisch und konstruktiv das Feld der "neuen Medien" reflektierend und "erziehend" und stützend angehen.

Dabei ist es von besonderem Wert, dass die Autoren die Tools und Methoden thematisch übersichtlich geordnet vorlegen.

Vom allgemeinen erklären der Funktion und des Zieles digitaler Medien über problematisch werdende Nutzung des Smartphones hin zu gefährlichen Entwicklungen im Sinne eines "pathologischen Gamings" oder der Aufarbeitung bedrängender "Cybermobbing Erlebnisse) hin zu Inhalten, die gerade noch nicht gefestigte Persönlichkeiten in emotionalen "Hochs- und Tiefs" in echte Gefahr bringen können (Pro-Ana Seiten, Online-Suizidalität, Inhalte geprägt von Gewalt und Extremismus (vielfache IS Anhänger wurden über das "Netz" geworben und geprägt) bis hin zu Sexting und Pornographie) gehen die Autoren direkt und klar die gefährdenden Bereiche fachkundig und hilfreich an.
Fazit
Auch wenn das Werk weniger für den privaten Gebrauch gedacht ist, sondern eine professionelle Arbeitshilfe darstellt, kann auch der Laie durch die Lektüre sehr zumindest an Erkenntnissen gewinnen, wann die Grenze zur Notwendigkeit professioneller Begleitung überschritten wird und wie vor dieser Grenze mit sachkundigen Instrumenten eine gemeinsame Reflexion mit Kindern und Jugendlichen angestoßen werden kann.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 12. Februar 2021

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