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Gregor Schöllgen, Gerhard Schröder: Letzte Chance

Letzte Chance

Verlag: DVA [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-421-04876-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. März 2021]
Preisvergleich bei buecher24.de
Teils offenkundig, teils bedenkenswert, teils zu parteiisch

Ein Historiker von Ruf und ein ehemaliger Bundeskanzler, der immer schon für seine klare Sprache samt hier und da provozierender Inhalte bekannt ist. Beide wenden sich der weltpolitischen Lage mit besonderem Blick auf Europa und darin natürlich wiederum mit Schwerpunkt auf Deutschland zu.

Mit einer provokanten These zunächst, die man auch mit einem Hit vergangener Jahre zusammenfassen kann:
"Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Wann sonst ein stärkeres auch formales Zusammenwachsen der Europäischen Union?
Wann sonst ein klares Auftreten in einer Politik China und Russland gegenüber in geklärter und überlegter Haltung statt abwartend und reagierend?
Wann sonst die "Tore zur Welt" im persischen Golf als politisch dringende Aufgabe auch entsprechend gewichten?
Und wann sonst, fast bereits zu spät nach Meinung der Autoren den Blick richten auf die schwindenden Ressourcen und damit den Umgang mit denselben?

Europa in Stagnation, Amerika noch "mit dem Daumen auf Vielem", aber auch an Einfluss verlierend, bezeichnen die Autoren Nordamerika und Europa an sich als "Inseln inmitten kultureller Stürme".

Ein Stilmittel einer "Letzte Chance" Behauptung, die nicht differenziert genug auf die Wletlage eingeht und einseitige Sehen zumindest Schöllgen und Schröder auf diese kulturellen Bereiche der Welt bezogen nicht.

In der Analyse der Situation mag man durchaus in Teilen noch zustimmen, in der ständig betonten Wichtigkeit der Verbindung zu Putins Russland und der weitgehenden Aufforderung der Abnabelung von den USA aber verlieren sich viele der zutreffenden Beobachtungen der Autoren dann doch ein einer gewissen Einseitigkeit, die so gut wie alles an destruktiver Politik gerade Russlands und Chinas nicht nur ausblendet, sondern nachgerade schönredet. Was mit den aktuellen Fakten kaum vereinbar ist, außer man goutiert autoritäre Formen der "Herrschaft". (Oder liebt das "Basta" in ähnlicher Richtung).

"Der Westen hatte seine Zeit. Sie war gut. Sie war politisch erfolgreich. Aber sie ist vorbei".

Man muss sich dieser These nun weder in Gänze noch überwiegend anschließen, auch kritische Betrachtungen den Autoren gegenüber gehören zu einer reflektierenden Wahrnehmung des Werkes. Aber dennoch, eine gewisse "Selbstzerlegung" der im Kern immer noch reichen und mächtigen Handelsmacht Europa kann man durchaus doch mit den Autoren gemeinsam konzidieren. Und dass es die Notwendigkeit zu einem Aufbruch und einer neuen Weichenstellung braucht, ist täglich an den Nachrichten über die Weltlage abzulesen und an der eher behäbig wirkenden Geschwindigkeit und nicht sonderlich überzeugenden nationalen Engstirnigkeit innerhalb der europäischen Union.

Somit ist es (bei aller Kritik an der doch einseitigen Ausrichtung des Werkes) man nicht schlecht beraten, zumindest diese Analyse zu bedenken und die Diskussion mit darauf zu richten, ob und in welcher Form denn (noch) mehr inhaltliche Verantwortung übernommen werden will. In Europa. In Deutschland auch für Europa. Oder ob es bei der Politik der Geldbörse alleine bleiben soll.

Ob das nun in Form einer "engen neuen Verbündung" europäischer Kernstaaten besteht, oder ob Mehrheitsentscheidungen auf anderem Weg verbindlich gemacht werden können samt wirksamen Sanktionen gegenüber "Ausscherern", das gilt es natürlich sorgsam zu prüfen.
Fazit
Aber zu erkennen, dass mehr und mehr nur mehr reagiert wird und andere das Heft des Handelns in die Hand genommen haben, sollte als Erkenntnis zunächst in den Raum treten.

Eine in dieser Hinsicht mahnende Lektüre, die sich aber in vielen Teilen zu sehr einseitig eine Lösung von und Annäherung an konkrete politische Kräfte und Staaten ausspricht, die so ebenfalls nicht konstruktiv funktionieren werden.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 12. Februar 2021

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