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Gregor Schöllgen, Gerhard Schröder: Letzte Chance

Letzte Chance

Verlag: Deutsche Verlagsanstalt [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-421-04876-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. April 2021]
Krisen wo man nur hinblickt - politische Krisen, gesundheitliche Krisen, wirtschaftliche Krisen und nicht zuletzt: die Demokratie in Gefahr. Eine düstere Zeit, unerfreulich für die Meisten. So kann es nicht weitergehen. Aber: wie kommen wir da raus? Der Historiker Gregor Schöllgen und der Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder greifen die aktuelle Situation auf und suchen nach (Aus-) Wegen.

In 10 Kapiteln greifen sie die aktuelle Problematik auf, beschreiben und analysieren sie aus ihrer Warte: Europa (besser: die Europäische Union) und ihr Verharren in alten Mustern, Führungsmacht USA: wird nach Trump alles wie es war, oder wohin führt der Weg? Russland und China als bedeutende Großmächte: Machenschaften, Hinterlassenschaften und deren Konsequenzen für die Welt (-politik), danach folgen Erläuterungen zu weiteren Problemfeldern in Asien, im Nahen und Mittleren Osten (sehr ausführlich) und nicht zuletzt in Afrika, das an den Folgen der Ausbeutung in den Epochen des europäischen Imperialismus nach wie vor zu tragen hat. Das hat Konsequenzen für die Bevölkerung in diesen Ländern, aber auch auf die außenpolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen.

Wen wundert's: alles dreht sich letztendlich um Sicherung dringend benötigter Ressourcen. Allen voran die Weltmacht USA (der an vielen Stellen ein ausgesprochen schlechtes Zeugnis ausgestellt wird für das politische Handeln), aber auch die Groß- und Mittelmächte dieser Welt, alle haben das Ziel ein möglichst großes Stück vom vorhandenen "Kuchen" abzubekommen. Im Epilog (Was zu tun ist) ziehen die historisch, politisch und wirtschaftlich renommierten und erfahrenen ein Resümee und schildern aus ihrer Sicht, wie es weitergehen kann und sollte.
Fazit
In den 10 Kapiteln, und damit dem Kern des Buches verschaffen Schöllgen und Schröder einen umfassenden und interessanten Überblick über die Krisenherde dieser Welt, über die drängenden politischen Probleme und Fragen rund um den Globus. Sie beschreiben nicht nur, sie skizzieren die Fehler der Vergangenheit, den Wandel der Weltpolitik, vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges und somit der Auflösung der bipolaren Welt - die Welt ist den Autoren zufolge lange nicht mehr das, was sie war und sie bedarf dringend einer neuen Weltordnung, die sich der modernen Gegebenheiten annimmt, sie berücksichtigt und sich partnerschaftlich auf Augenhöhe weiterentwickelt. So weit, so gut.

Das ausserordentliche Renommee der Autoren ist unbestritten. Sie analysieren scharf und legen den Finger in die Wunde, letztendlich bis es weh tut. Aber wie sieht es mit den Rückschlüssen, der Interpretation der Ereignisse und den vorgeschlagenen Lösungen aus? Meiner Ansicht nach treffen sie mit der Beschreibung der Ist-Zustandes der Europäischen Union den Nagel auf den Kopf. Auch die Forderung nach einer Emanzipation der Europäer in Richtung einer wirklich eigenständigen Politik mit allen Konsequenzen kann ich in großen Teilen folgen.

Die Deutung der früheren und der heutigen Politik der Großmächte USA, China und Russland hingegen, halte ich nicht für überzeugend aufgrund fehlender Objektivität und Ausgewogenheit. Die USA schneiden hierbei zweifelsfrei am Schlechtesten ab. "Den Aufstieg zur Weltmacht verdanken die Vereinigten Staaten von Amerika dem Deutschen Reich." (S. 39 oben) Wer hätte das gedacht? Selbst mit den anschliessenden historischen Erläuterungen dieser Aussage erscheint mit die Behauptung deutlich zu kurz gesprungen. Zweifelsfrei haben die USA mit ihrer Politik Fehler gemacht, die Chaos hinterliessen und deren Konsequenzen bis in die heutige Zeit spürbar sind - aber eben nicht nur sie! China wird eher distanziert und ein wenig argwöhnisch betrachtet, Russland mit seiner expansiven Politik wird zwar kritisiert, jedoch lässt eine Erklärung hierfür nicht lange auf sich warten: der Riese muss sich seine Felle sichern und wer warum? Weil er nicht als Partner auf Augenhöhe behandelt wurde und wird. Und wer war's: Natürlich der Westen, den es ja angeblich gar nicht mehr gibt.

Recht haben sie: es muss sich Vieles ändern - der Weg dorthin könnte allerdings anders verlaufen, als von den Autoren prognostiziert.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 10. März 2021

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