Blake Crouch: Gestohlene Erinnerung

Gestohlene Erinnerung

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Science Fiction
ISBN-13 978-3-442-20601-8

Preis: 15,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Juni 2020]
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Starker Anfang, starkes Ende, leicht abfallende Mitte

Es ist ein interessantes, in der Form (dem Inhalt dann geschuldet) nicht einfach im roten Faden zu verfolgendes Thema mit ebenso spannenden Folgerungen, welches Blake Crouch in einfacher und gerader Sprache dem Leser vor Augen führt. Was ist Realität? So könnte man die leitende Frage im Hintergrund des Thrillers auch formulieren.

Persönliche, subjektive Erinnerungen machen die Realität aus. So muss man am Ende gar keine Zeitlinie verschieben, keine Zeitmaschine bauen, um durch anders gelagerte Erinnerungen, von außen implementiert, das Ganze, eigene Leben ein wenig oder gar radikal zu verändern, anders zu erleben.

Wobei, und da liegt eine gewisse rationale Schwäche im Geschehen im Thriller, am Ende ja zwar subjektiv sich anders erinnert werden könnte, das aber dann doch wohl vom "realen Alter" her. Dass die Protagonisten im Thriller, allen voran Detektive Barry Sutton, ganze Jahrzehnte "neu" erleben kann, das erschließt sich dem Denken nicht ganz. Nimmt man dies aber einfach erst einmal hin, entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik der Ereignisse, die vor allem dann spannend und temporeich werden, wenn "Erinnerungslinien" zu jenem Zeitpunkt wieder vorrücken, an dem jene "neuen Erinnerungen" auf den Weg in die Vergangenheit geschickt wurden.

Dass dabei Helena Smith, Neurowissenschaftlerin, etwas ganz Konkretes, wohltuendes für ihre Mutter im Sinn hatte, dass natürlich immer wieder Menschen ins Spiel kommen, die ganz eigene, vom Machtinstinkt geleitete Interessen in den Vordergrund stellen und dass zudem jener entscheidende Moment, an dem "Erinnerungen heraus gefischt" werden können ein ganz besonderes, gefährliches Setting voraussetzen, all das gibt dem Thriller dann die innere Reibung und Spannung unter den verschiedenen Interessenslagen. Mehrere Tode eingeschlossen, für die es dann veränderte Erinnerungen anderer Bedarf, um noch mal durchstarten zu können mit einer zweiten, dritten oder auch vierten Chance.
Fazit
All das bedarf zum einen einer gewissen Freude an der phantasievollen Lektüre an sich, die, wie erwähnt, nicht immer dem strukturierten Denken folgt und, zum anderen, auch eines mittleren Teils des Thrillers, der phasenweise sehr breit angelegt weit in die Lebensgeschichten, Erinnerungen und damit in die Motive der Hauptpersonen einführt. Dennoch, Crouch versteht es, gradlinig zu schreiben und sein auch philosophisches Thema mit gut gesetzten Action-Elementen zu paaren, so dass am Ende eine anregende, durchaus Gedanken anstoßende Lektüre mit einem ebenso gut gestalteten Finale genossen werden kann. Verbunden mit Nasenbluten, falschen Erinnerungen, zerbrechenden Personen und mehr und mehr einer ganzen, irritierten Welt.

"Und was ist mit diesem Leben? Hat es keinen Wert für Sie?" - was tatsächlich eine der entscheidenden Fragen für den Verlauf der Ereignisse sein wird.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 23. April 2020

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