Sinclair McKay: Die Nacht, als das Feuer kam

Die Nacht, als das Feuer kam

Verlag: Goldmann [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-442-31549-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 19. Februar 2020]
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Schritt für Schritt gründlich vor Augen geführt

"Die Trümmer glühten vor Hitze und einst bekannte Straßen waren bis zur Unkenntlichkeit zerstört".

Dresden nach der "Feuernacht". Bombenhagel ununterbrochen. Schlimm genug, aber mit weiteren "Folgern", denn tatsächlich hat die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes "geglüht" mit vielfachen Opfern auch nach der Zerstörung, Tod und Leid durch die Bomben an sich bereits.

"Andere Eisenbahner, die der tosenden Flammenhölle im Weg standen, sollen einfach an Ort und Stelle verbrannt sein".

Und ebenso bleibt die Frage im Raum der Geschichte stehen, ähnlich wie in Nagasaki, waren dies "kriegswichtige" Zerstörungen oder ging es auch darum, Waffen zu erproben, Moral zu brechen, zu "zeigen, was man kann"? Denn wie in Japan nach Hiroshima und nur einer Bombe, lag auch Deutschland bereits weitgehend besiegt und zerstört darnieder. Oder man sieht hinter all diesen Ereignissen in federführender amerikanischer Hand bereits eine klare Botschaft an andere Kriegsbeteiligte und Siegermächte, sich vorzusehen vor diesem "Verbündeten" und seiner durchschlagenden Waffengewalt, die auch bereitwillig eingesetzt und vor den Augen der Welt vorgeführt wurde.

"Die Stadt ist nun zu einer Art Totem für die Obszönität des Totalen Krieges geworden….wird ihr Name mit der totalen Vernichtung in Verbindung gebracht".

Ohne zu vergessen im Übrigen, dass Dresden nur als Spitze des Eisbergs heftigen Vernichtungswillens im Blick auf viele Orte und Städte im damaligen Deutschland war. Was McKay in ruhigem, flüssigen Erzählton Schritt für Schritt nachvollzieht und so eine Biografie jener Tage fundiert darlegt. Mit einem klaren Fokus darauf, nicht einfach nur distanziert Fakten und Vorgänge auf Papier zu bringen, sondern immer wieder und immer auch die Sicht jener mit einzubauen, die dabei waren. Auf dem Boden, als Bewohner, in der Luft als Mannschaft in den Flugzeugen, an Kommandoständen oder ganz auf sich alleine gestellt.

Die Geschichte handelt nicht nur von einer unfassbaren Zerstörung, sondern auch von zerrissenen Lebenswegen, die sich im Nachgang auf irgendeine Weise wieder zusammengefügt haben. So erzählt McKay eben auch, zum besseren emotionalen Verständnis des Lesers, was vorher den Alltag in Dresden ausgemacht hat und wie im Nachgang die Stadt unter "neuem Regime" ihren Weg wieder zu finden hatte.
Fazit
Beides, die sachliche Schilderung, die Hintergründe, die Atmosphäre in den Tagen vor dem Angriff du die menschlichen Ereignisse und "kleinen Geschichten" fügen sich dabei in der Lektüre zu einem breiten und gut verständlichen Gesamtbild zusammen.

Schilderungen, die unter die Haut gehen, ein Ereignis, das natürlich gut bekannt ist und dennoch immer wieder erinnert werden muss. Um Lesern die Augen zu öffnen, was Krieg in dieser radikalen Form auch heute noch, mit deutlich verbesserten Waffensystemen, für die Menschen, die ihn zu erleiden haben, bedeutet. Eine interessante und beeindruckende Lektüre.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 03. Februar 2020

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