Wolfgang Kaes: Endstation

Endstation

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-499-27565-4

Preis: 16,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. September 2019]
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Adela L. Macedo erhält mitten in der Nacht einen sonderbaren Anruf vom Handy ihres Sohnes Jonas Berthold. Der junge Mann wird kurz darauf tot aus dem Rhein gezogen, sein Tod von der Polizei überhastet zum Selbstmord erklärt. Freunde und Angehörige weisen entschieden den Gedanken zurück, dass jemand wie Jonas selbstmordgefährdet gewesen sein könnte. Und wie hätte in dem Fall sein trockenes Portemonnaie in die Hände eines Polizisten gelangen können? Bei der Polizei stoßen Jonas Eltern auf eine Mauer der Untätigkeit. Offenbar wird immer erst ermittelt, wenn den Beamten eine Anzeige wegen Untätigkeit droht. Jonas starb im Umkreis einer legendären Diskothek, die als rechtsfreie Parallelwelt unter der Regie einer Rockerbande galt. Immer wieder gab es dort Gewalttaten, die Ermittlungen verliefen immer wieder im Sande. Jonas ungeklärter Tod ist 5 Jahre her, als Thomas Mohr, ehemaliger LKA-Zielfahnder, in eine Ein-Personen-Abteilung für Cold Cases versetzt wird. Mohr findet schon beim ersten Blick die Fall-Akte schlampig geführt. Zeugen wurden nicht befragt, Beweismittel nicht berücksichtigt und zu allem Überfluss scheinen zwei Staatsanwaltschaften Jonas ungeklärten Tod zwischen sich hin und her geschoben zu haben, um ja nicht ermitteln zu müssen.

Mohr war monatelang beurlaubt, nachdem sein letzter Einsatz im Desaster endete. Seine neue Abteilung ist vermutlich als Abschuss-Posten angelegt. Er glaubt nicht daran, dass Abteilungen der Kripo Interesse daran haben, als Versager da zustehen, indem sie Akten ungelöster Fälle an ihn weitergeben. Schafft Mohr es als Einzelkämpfer, das nach der Silvesternacht 2015 angeschlagene Sicherheitsgefühl des Wählervolks zu verbessern, hat er Glück gehabt, schafft er es nicht, könnte "Cold Cases" sang- und klanglos wieder aufgelöst werden.

Als Leser hat man relativ früh einen Verdacht, in was Jonas in der Discothek hineingeraten ist. Mohr muss die Vorfälle allerdings beweisen können. Für den Ermittler läuft nun der Countdown, ober er im Rennen gegen die Unwilligkeit zuständiger Behörden die Wiederaufnahme des Verfahrens Jonas Berthold erreichen kann. Banden- und Clankriminalität, Frauenhandel in Verbindung mit Zwangsprostitution sind Mohr nicht fremd. So sprechen die Bewegungsprofile auf den bewusst ignorierten Videoaufzeichnungen für ihn Bände, kriminelle Strukturen innerhalb der Polizei stehen seinen Ermittlungen jedoch im Weg. Als Kenner des Milieus und bestens vernetzt könnte Mohr dennoch am längeren Hebel sitzen. Am Ende liegt zwar auf dem Tisch, was im Umfeld der Diskothek passiert ist, aber die berechtigte Frage der Angehörigen, ob Deutschland noch ein Rechtsstaat ist, bleibt unbeantwortet.
Fazit
Wolfgang Kaes nutzt als erfahrener Journalist in seinem mittlerweile 8. Kriminalroman das Medium, um Zusammenhänge darzustellen, die er in anderer Form nicht veröffentlichen könnte. Sein Kriminalroman um einen vertuschten Todesfall spielt - hochaktuell - im Jahr 2018. Das komplexe Szenario mit zahlreichen Figuren wirkt so aktuell (man denke an den Vermisstenfall Sophia), dass ich mich fragte, ob der Plot überhaupt Fiktion sein kann. Exzellente Recherche, eine überzeugende Ermittlerfigur und ein hochaktuelles Thema verdienen hier die volle Punktzahl.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 22. August 2019

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