Michael von Wuntsch: Wohin treibt die kapitalistische Gesellschaft?

Wohin treibt die kapitalistische Gesellschaft?

Verlag: UVK [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-86764-898-1

Preis: 19,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 25. September 2020]
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Eine ächzende Welt

Kaufen, erwerben, konsumieren, Immer mehr, zumindest jedes Jahr um ein, zwei Prozent mehr. Zum Überleben auf der einen Seite der Welt, zur Unterhaltung und zur Erleichterung des Alltags auf der anderen Seite der Medaille. "Wachstum" als Gesetz fast, dem Wirtschaft und Politik, aber auch ein hoher Teil der Menschen an sich, gebannt und wie gefesselt folgen, eine Formel von ständig nötigem Wachstum, die unveränderlich wirkt und doch, das gebietet alleine schon die Logik eines begrenzten und in sich geschlossenen Systems wie das des Planeten Erde, gar nicht unendlich fortgesetzt werden kann. Wie von Wuntsch ruhig, sachlich und überzeugend nicht unbedingt als neue Erkenntnis, aber doch in umfassendem Zusammenhang in seinem Werk darstellt.

So könnte man vermuten, es geht aktuell darum, das System solange wie möglich am Laufen zu halten. Weil die Alternativen fehlen oder nicht genügend bedacht werden? Angesichts eines ökologisch massiv vernehmbaren Ächzens des Planeten an sich, angesichts von Mikroplastik im Meer, angesichts des Klimawandels, aber auch innergesellschaftlich der zunehmenden Spreizung zwischen "Reich" und "Arm" über die Gruppe der "irgendwie durchkommen" türmen sich die Warnzeichen und Probleme eigentlich unübersehbar am Horizont.

Und Widderstand und Kritik lassen sich demzufolge ja auch durchaus hören und nehmen in der Breit und Tiefe zu. Doch gibt es Handlungsmöglichkeiten der Politik und/oder einzelner Menschen oder Gruppen angesichts einer globalen Verzahnung der Wirtschaft, der fast unerschöpflich wirkender materieller Ressourcen weltweiter Konzerne und damit einer hohen Macht auf die Abläufe der Welt? Mitsamt einem drohenden Risiko, beim Infragestellen oder gar Verlassen des Systems des Kapitalismus mit seiner sklavischen Wachstumsorientierung zunächst einer Form des Chaos, Massenarbeitslosigkeit, gesellschaftlichen Krisen die Türen zu öffnen, wo jetzt schon vielfache Strömungen die Stabilität moderner Gesellschaften (vor allem der demokratischen) aushöhlen?

Was von Wuntsch umgehend mit den ersten Sätzen seines Werkes in den Blickpunkt rückt und alleine schon in der Darstellung der gegenwärtigen "Handlungen" an den Börsen der Welt samt dem stärker werdenden "Hochfrequenzhandel" fundiert aufweist. Dass solides Wirtschaften und ruhige Betrachtungen von Chancen und Risiken mehr und mehr einer "Lotterie" gewichen sind mit vielfachen Verwerfungen auch auf der Produktseite, die eher die Illusion von solidem Wirtschaften auf festem Boden erzeugen, als diese wirklich in sich abzubilden.

Mit, vor allem, mehr und mehr und vielfachen "Verlierern im globalen Wettbewerb" und damit einem sozialen Sprengstoff, der sich, augenscheinlich, mehr und mehr auf eine Entladung hin zubewegt. Angesichts der wachsenden Ohnmacht gegenüber einem "Terrain des Geldkapitals", das nicht nur die Börsen und Konzerne beherrscht, sondern mehr und mehr unverhohlen eigennützige Regeln aufstellt und durchsetzt gegenüber "dem jeweiligen Volk" und den jeweiligen politisch Handelnden. Mit vor allem jener Veränderung, die von Wuntsch im Vorwort benennt: Wichtig ist nurmehr die Investition und, vor allem, die möglichst schnelle und gesicherte Rendite. Der Weg zwischen Investition und Rendite, auf dem in früheren Zeiten eben jener Rendite Wert tatsächlich erst erschaffen wurde, ist zunehmend uninteressant und soll so stark wie möglich verkürzt werden. Was in der Analyse überzeugend argumentiert vorliegt und in der Darstellung möglicher (und notwendiger) Alternativen im letzten Kapitel des Buches durchaus anregende und interessante Ideen vorstellt.
Fazit
Insgesamt eine interessante und informative Lektüre, die nicht unbedingt das Rad neu erfindet, aber bekannte Argumente mit weniger bekannten verknüpft und ein in sich Geschlossenes Gesamtbild der Probleme und der notwendigen Schritte zur Bewältigung an die Hand gibt. Was von Wuntsch mit vielfachen Quellen, Statistiken und Analysen untermauert, die nicht lapidar von der Hand zu weisen wären, sondern allgemein zugänglich sind und damit das Problem fundiert beleuchten.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 18. März 2019

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