Claudia Beinert, Nadja Beinert: Revolution im Herzen

Revolution im Herzen

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-426-65433-0

Preis: 19,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. September 2020]
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Intim eingebundene Lebensgeschichte

Karl Marx ist in vieler Munde im letzten und auch noch in diesem Jahr. Leben, Werk, Werdegang, der Einsatz für die "Internationale", all das in mannigfaltiger Form biographisch und Werk-betrachtend aktuell erschienen und zu lesen. Ereignisse und Kernmomente des Lebens, welche nun die beiden Geschwister Claudia und Nadja Beinert auf sehr fundiertem Hintergrund in einer "Liebes-Roman-Form" vorlegen, mit der es gelingt, Person und Privatleben des Denkers noch einmal aus anderer, näherer Perspektive nachzuvollziehen. Lena (Lenchen) Demuth gelangt als Dienstmädchen, eigentlich am Ende als "zusätzliches" Familienmitglied in die Familie Marx und erlebt alle Höhen und Tiefen, Hoffnungen und Desillusionierungen, vor allem die ständige Armut in der Familie, hautnah kennen und "managen".

Nebenbei schärft sie Ihre Kompetenzen für das Schachspiel mit Karl Marx und nicht nur das. Auch andere Grenzen zwischen "Dienstherr" und "Dienstmädchen" werden überschritten, was durchaus zu Belastungen der Beziehungen im Hause Marx führen wird und Folgen nach sich zieht, die Lenchen menschlich nicht unbedingt im besten Licht erscheinen lassen werden. Wie vor allem aber die Zeitgeschichte in Romanform eingegossen wird, wie atmosphärisch dicht die Zwillinge unter anderem jene Zeit der "Hausdurchsuchungen" in Belgien, der Verfolgung, der Ruhelosigkeit, der Heimatsuche, immer wieder auch die Hoffnung auf ein Auskommen und der Verlust desselbigen wieder, das liest sich sehr flüssig und anregend.

"Während einer Revolution schliefen die Menschen nicht, sie versammelten sich und beschworen in den Nächten den zukünftigen Sieg herauf".

Was Marx mit gemischten Gefühlen betrachtet, denn zu seiner Zeit schwelte, vor allem, die bürgerliche Revolution, nicht die der Arbeiterschaft. Höhen und Tiefen, die sich auch ins Privatleben niederschlagen, bei denen Jenny, Marx Frau und Lenchen gemeinsam ein um das andere Mal "Szenen" aufführen, um bei Hausdurchsuchungen dem Vorstand der Familie Gelegenheit zu verschaffen, belastende Papiere schnellstmöglich außer Reichweite zu verstecken. Gepaart mit der privaten Dramatik der Eheleute Marx, was den Tod mehrerer Kinder angeht, vor allem später dann des geliebten Sohnes Musch. Ein Tod, der Marx fast aller gestalterischen Kräfte beraubte.

"Früher war das Schreiben für ihn wie Atmen gewesen..."

Eindrucksvoll schildern die Autorinnen die Szene am Grab, in dem Marx nur mit stützender Hilfe davor bewahrt wird, mit in die Grube hinein zu sinken. Andererseits hat der Leser für diese durchaus vielzähligen Einblicke in das private Leben des Karl Marx auch die ein oder andere Länge im Roman zu überstehen, Phasen der eher äußeren Betrachtung des Autoren und seines engen Freundes Engels, sowie der Entwicklung Lenchens als Person im Lauf der Jahre. Wofür ein stückweit das ausführliche Nachwort entschuldigt, in dem die historischen Fakten gebündelt vorgetragen und viele der im Roman erzählten Vorgänge komprimiert in ihren historischen Bezügen noch einmal dargelegt werden.
Fazit
Eine andere, durchaus frische Variante, sich Karl Marx in Person vor allem zu nähern.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 19. April 2018

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