Alfred Ehret: Impulskontrollstörungen in der Verhaltenstherapie

Impulskontrollstörungen in der Verhaltenstherapie

Verlag: Beltz [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-621-28671-8

Preis: 39,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. März 2019]
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Ein fundiertes Brevier für die Praxis

Die "defizitäre Selbstkontrolle", in Folge dessen Patienten unkontrollierten Zwängen anheimfallen und damit sowohl unter der Handlung an sich (Spielsucht, Kleptomanie, Pyromanie, Aggressivität), als eben auch darunter leiden, dass sie selbst über diese Handlungen keine Kontrolle herzustellen vermögen, gehärt zu den ausgeprägtesten Störungsbildern, die im Rahmen der VT allerdings relativ gut behandelt werden können. Dies vor allem aber dann, wenn "alle beteiligten Personen" (und nicht nur allein der Therapeut), mit den wichtigsten verhaltenstherapeutischen Strategien vertraut sein müssen.

Neben aktiven Psychotherapeuten wendet sich Alfred Ehret aus seiner langen, klinischen Praxis daher mit diesem sehr überzeugend und übersichtlich strukturierten Werk auch an "paraprofessionelle Mitarbeiter" und interessierte, u.U. auch in der Begleitung betroffene Laien. Mit großer Ruhe und breitem Blick wendet sich Ehret dabei zum einen (komprimiert) den Grundlagen von Impulskontrollstörungen zunächst zu (Ursachen, Formen, genereller Verlauf), um sodann zum einen sehr grundlegend Motivationen zur Verhaltensänderung vorzustellen und die beteiligten Therapiemodelle ebenfalls Schritt für Schritt, übersichtlich und fundiert, vor Augen zu führen.

Stimuluskontrolle und Coping Skills, das Cue Exposure Modell, das Habituationsmodell werden dabei ebenso sachlich und verständlich vorgestellt, wie das Modell der formalen Veränderung von Mentalen Prozessen, dass der Komplettierung von Handlungsketten, das Video Self Modelling, das Habit Reversal Training, Selbstkonstruktionstraining und das Modell der Schematherapie. All diese, inzwischen gängigen, Modelle, legt Ehret dabei nicht rein abstrakt und theoretisch dar, es ist gegenteilig eine große Stärke des Buches, in den einzelnen Abschnitten vielfache praktische Beispiele und praktische Hinführungen mit zu verarbeiten, die das Verstehen beim Leser ungemein erleichtern und von Beginn an ein klares Bild über die Ursachen von Impulskontrollstörungen und deren mögliche Behandlungswege zu vermitteln.

"Das Buch ist die umfassendste Übersicht über Impulskontrollstörungen, die mir bekannt ist", so vermerkt es Eckhard Roediger zutreffend im Geleitwort.

Mit einer ebenso erkennbaren Tendenz, nicht ideologisch auf einer beschränkten Auswahl an Methoden und Grundlagen zu verharren, sondern eine "multimodale" Herangehensweise zu präferieren. Von systemischen Problemlösungsstrategien über imaginative Verfahren hin zu Rollenspielen und sozialem Kompetenztraining bis hin zu Achtsamkeitsübungen bietet Ehret damit eine Vielfalt von Instrumenten, Interventionen und Methoden, die umfassend eingesetzt werden können.

Wobei dabei das letzte Kapitel des Werkes besonders hilfreich am Ende der Lektüre steht, in dem Ehret die zentralen Aspekte einer Behandlung von Impulskontrollstörungen zusammenführt, auf deren Basis der im Bereich aktiv Tätige eine "optimale Auswahl von Therapiemodellen zur Behandlung" treffen kann. Bei der manchmal eine Methode als die bestmöglich geeignetste für einen Patienten sich herauskristallisieren kann, in der Regel aber eine Verbindung verschiedener Modelle in guter Weise zum Ziel führt.
Fazit
Ein umfassendes, fundiertes und praxisnahes Werk, mit dem vielfache und breite Wege zur Behandlung dargestellt werden.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 28. Februar 2019

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