Sebastian Barry: Tage ohne Ende

Tage ohne Ende

Verlag: Steidl [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-9582951-8-6

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2020]
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Western in besonderer Form

Es ist ein intensiver Monolog, mit dem jener Thomas, Soldat der Kavallerie, in der frühen zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Leser mitten hinein in den "Westen des Westerns" holt. Einerseits sein Schicksal, das der Ich-Erzähler allgemeingültig fast mit der damaligen Zeit verknüpft (was alleine schon der Rückblick des gebürtigen Iren auf die Hungersnöte jener Zeit, die Verschiffung nach Amerika und den schwierigen Anfang dort angeht), andererseits ein Lebensweg mit besonderen Eigenarten, wie schon die Kleidung verrät, welche Thomas und sein engster Freund in jenem Saloon für einige Jahre tragen. Eine besondere Freundschaft, die den Rahmen "normaler Western" deutlich sprengen wird. Wie überhaupt die "Action" eher lakonisch am Rande miterzählt wird, wichtiger aber die Reflexionen und Reaktionen auf die Gewalt der Indianerkriege, des Bürgerkriegs, die Sehnsucht nach einem "Ankommen" und überhaupt die Sorge ums Überleben in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

"Glauben Sie mir, wenn ich sage, es gibt einen bestimmten Typ Mann, der liebt es, Soldat zu sein, egal wie elend der Lohn"

Und egal, welche Aufgabe gestellt wird. Ein Trott entsteht, der weniger nach richtig oder falsch fragt, sondern in der Verbindung zu den anderen Kameraden und den Vorgesetzten gründet. Befehlen gehorchen, klaglos durch Schmutz, Regen und Hunger sich bewegen, miteinander sich freuen, wenn gute Zeiten anbrechen. Für die, als ein Beispiel, die atmosphärisch dichte Büffeljagd und die Freude an den vollen Bäuchen im Buch steht. Doch holprig ist der Weg. Angeeckt wird werden, Pläne entstehen und vergehen und immer wieder dringt die Härte und Brutalität des Kampfes durch die Seiten ungefiltert und schlicht erzählt auf den Leser ein.

"Aber zuerst zückte er ein scharfes Messer, das er bei sich trägt, aus ner abgebrochenen, eisernen Spitze gemacht. Das wollte er mir in den Leib rammen, falls es so aussieht, als würd ich ihm fies kommen".

So bewegt sich Thomas genau auf der Grenzlinie der damaligen Zeit, nimmt den Leser mit in dieses, letztlich unrühmliche und blutdürstige Kapitel amerikanischer "Eroberungsgeschichte", ist einerseits Teil von all dem, Soldat und im Umgang mit der Waffe hoch talentiert, und andererseits in seiner ganzen Haltung und Lebensweise anders, eng gebunden an seinen einzigen und intensiven Freund.
Fazit
Hervorragend versteht es Barry dabei, in einfacher, lakonischer, dennoch bildkräftiger Sprache das Düstere, Unmenschliche jener Zeit und jener geographischen Region mit einem aussagekräftigen und außergewöhnlichen Charakter als Hauptfigur, an dem sich die Geschichte der Eroberung des Westens exemplarisch ablesen lässt.

Eine sehr zu empfehlende Lektüre.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 26. September 2018

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