Helen Simpson: Nächste Station

Nächste Station

Verlag: Kein und Aber [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-0369-5777-7

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 22. April 2018]
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"Wendepunkte" im Altern des Lebens

"Im letzten Urlaub ist mir das ganze Ausmaß überhaupt erst klar geworden. Ich wollte etwas auf der Landkarte nachsehen und es regnete. Ich wurstle mit der Brille herum, sie fällt mir aus der Hand, und ich stehe da und schaffe es nicht, die Karte auszubreiten, die ich sowieso nicht hätte lesen können".

Und da kommen sie ins Spiel. Die Jahre. Die Jugend gelebt, die erwachsenen Jahre, Ehen, Kinder, Zitronenkuchen, absolviert. Die 50 plus minus im Raum. Gleitsichtbrillen, die den Alltag plötzlich begleiten, graue Haare, eine gewisse Melancholie, ein Ahnen der eigenen Vergänglichkeit, all das bricht in verschiedenen Formen über die Protagonisten der neun Kurzgeschichten dieses Bandes herein.

"Ende der Woche bin ich einfach zu müde zum Kochen. Anfang der Woche, ehrlich gesagt, auch".

Diese Erschlaffung von Energie ist aber nur das eine, nur die Folge anderer Veränderungen im Leben. Wenn die Liebe langsam zerfließt, wenn die Lust an den Kindern, das Mutter-Sein, eher zur Erinnerung an alte Zeiten und wunderbare Kuchen zum Geburtstag des Nachwuchses werden ("Du warst ein wundervolles, ruhiges, aufgewecktes kleines Mädchen"). Wenn man merkt, dass die technischen Entwicklungen, aber auch die gesellschaftlichen Haltungen und Ausrichtungen sich mehr und mehr von alldem entfernen, durch das man selbst geprägt worden ist.

Wobei es Helen Simpson durch ihren frischen und aufgeweckten Stil, keine Schwermut in den Vordergrund der Atmosphäre der Lektüre zu legen. Sondern mit Humor, leichter Verzweiflung, Selbstironie und schönen Gefühlen bei schönen Erinnerungen den Leser auch unterhaltsam "bei der Stange hält". Im Hintergrund aber, das ist deutlich zu spüren, steht sie schon, diese Melancholie, dieser Rückblick auf Gelungenes, Haltendes und Misslungenes, niederziehendes. Bis hin zur "Kommentierung" des eigenen, gelebten Lebens auf der Blaupause von Richard Wagner in "Berlin", der letzten Geschichte im Buch, in der Analogien sich verweben und Brüche zu Tage treten, die einen wegtreiben würden. Aber angesichts all des Kittes im Leben, der einen fest verfugt hat, wird auch dieses "Weg und anders wollen" sich relativeren müssen.
Fazit
Eine Betrachtung über das Altern, die nicht mit dem moralischen Zeigefinger kommt und nicht trübsinnig-schwer verdaulich vorliegt, in der Helen Simpson aber all die wesentlichen Dinge von Erfahrungen, Gewinn und Verlust zur Sprache bringt.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. April 2018

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