Andrew Sean Greer: Mister Weniger

Mister Weniger

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-10-397328-0

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. April 2018]
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Sprachlich gelungen

"Weniger ist Mehr", diese alte Weisheit trifft auf "Mister Arthur Weniger" eigentlich eher nicht zu. Im Gegenteil, der Name scheint regelrecht Programm für das Leben dieses alternden, schwulen Mannes. Der, einerseits, in seinem Leben die Konstellation kannte, der "jugendliche Liebhaber" eines (zu seiner Zeit sehr bekannten) Autoren zu sein und nun ebenso das ganze "andersherum" erleben musste. Dass sein ehemals jugendlicher Liebhaber (der mittlerweile auch bereits die Mitte seiner dreißiger Lebensjahre erreicht hat), ihn Knall auf Fall zur Hochzeit (mit einem anderen) einlädt.

Auch wenn da nie was versprochen war, auch wenn da 9 Jahre eher ins Land kamen und gingen, in denen Weniger immer wieder betonte: "Binde Dich nicht zu sehr an mich", Weniger ist tatsächlich nun aus dem Tritt geworfen. Nicht einfach, den Mann zu verwinden, der immer betonte: "Arthur, an Dir gibt es nichts, dass nicht sexy ist". Wobei erschwerend hinzukommt, dass jener Freddy der (angenommene) Sohn seines ärgsten Rivalen, "Freund/Feindes" ist. Was macht man dann als mäßig erfolgreicher Autor, der gerade erst sein neuestes Manuskript bei seinem Verlag eingereicht hat (Weniger findets gut, aber der Verlag mag da eine ganz eigene Meinung haben).

Weniger nimmt alle verstaubten Einladungen zu dritt- bis viertklassigen "Events" an, packt seinen großen Koffer (und seinen "besonders blauen") Anzug und macht sich auf die Reise. New York als Moderator für einen Science-Fiction-Autor. Mexiko. In Sachen "ehemaliger älterer Geliebte". Turin. Berlin. Marokko, Indien, Japan. Das alles sprachlich mit Selbstironie versehen, mit warmem Humor, der immer wieder aufblitzt, mit Melancholie in der Badewanne im Blick auf den eigenen, alternden Körper. Mit der Frage, wer man ist und wo man hingehört (denn Weniger ist ein einer, dem es nie gelungen ist, sich eine Schutz-Schale, einen Panzer der Welt gegenüber "anzulegen", und so trifft ihn alles doch immer sehr).

Mit teilweise Slapstick-Einlagen (wenn Weniger das erste Mal jenen Science-Fiction-Autor hinter der Bühne "live in Action" antrifft und dabei seinen Kosmonauten-Helm unnütz bei sich trägt) und einem leicht zynischen Blick hinter die Kulissen der "Literaturwelt". Nichts gelingt wirklich, tatsächlich scheinen die Aussichten des "Mister Weniger" auch tatsächlich immer weniger zu werden. Auch wenn überall in den entsprechenden Clubs und Kneipen sich "was anbahnen" könnte. Eine Aneinanderreihung, die sich auf Dauer etwas eintönig gestaltet, die zwar das "moderne, homosexuelle Leben" auch emotional empathisch abbildet, aber gerade im mittleren Teil des Werkes ein stückweit zu beliebig wirkt. Wofür das Ende dann aber durchaus entschädigt.
Fazit
Sprachlich sehr gelungen und insgesamt mit interessanten Einblicken und viel Humor (auch Galgenhumor).
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 06. April 2018

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