Anoushka Roshani: Komplizen

Komplizen

Verlag: Kein & Aber [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-0369-5782-1

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. Juni 2018]
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Filou und Familie

Es ist die Zeit, in der "fremdländische Attraktivität " noch Türöffner auf allen, vor allem den oberen Ebenen war. Mitte, Ende der 50er, dann der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Wobei der junge Perser, der da zum Medizinstudium nach Deutschland kommt (eher aus Zufall), noch ein ungebrochenes Schah-Regime zurücklässt und ob seines Aussehens, seiner Risikobereitschaft, der Lust am Leben und den schönen Dingen (und Frauen) die Herzen weitgehend im Sturm erobert.

Zunächst in Berlin, dann in Hamburg. Einer, klar, der zu Zeiten seinen "Ro 80" fuhr. Genau das Auto, das vermögende Menschen als Status Symbol ewig juveniler Sportlichkeit bewegten. Menschen, die nicht "ganz oben" mit schweren Karossen sich fahren ließen, sondern eben "gut dabei", sportlich und lebenshungrig jeden Tag genossen. Einer, der im "gereiften" Alter klagt: "Nach mir sehen sich mittlerweile nur noch dreißigjährige um" - "Eigentlich ja nicht so schlecht für einen fast 70jährigen" - Eine Antwort der Tochter im Auto, die den jüngsten Sohn des Vaters, ihren Steifbruder, 12 Jahre alt, völlig verwirrt. "Aber Papa ist doch nicht mal fünfzig".

Und das tragisch-lustige daran ist, dass die "neue Familie" und viele der Kollegen und Bekannten, das tatsächlich unterstreichen würden. Weil der Mann aussieht wie Anfang fünfzig, weil er nicht lügt, was sein Alter angeht, sondern dies eben einfach nie erwähnt. Was wiederum fest zu seiner Sicht des Lebens und der Inszenierung dessen gehört. Dass dabei die Ehe mit dem "Mannequin" nicht hielt, die Familie auseinanderbrach (und nur einmal noch für 14 Tage in der alten, persischen Heimat eher als "Rollenspiel" zur "Aufführung" kam, das ist einfach nur folgerichtig, liest man die Erinnerung Roshanis an ihre Eltern. Die nicht spinnefeind wurden, sondern während der Ehe und darüber hinaus auch eine Art "Komplizenschaft" in ihren je ganz anderen Herangehensweisen an das Leben sich erhielten. So enthält das Buch dann auch, nach Setzung dieser Themen, nicht nur Erinnerungen an eine andere Zeit oder die Aufarbeitung eines Verhältnisses zu einem Vater, sondern Anoushka Roshani stellt auch dem Leser einen Spiegel hin, wie sich selbst, wo jede Falte auch sie überrascht.

"Es muss mit meinem, nicht in gleichem Maße gealterten Selbstbild zu tun haben, dass mich das bestürzt".

Wobei das nun nicht verwunderlich ist bei Eltern, die jeder für sich hochgradig das Äußere als "gegeben schön" voraussetzten. So wie auch die Geschichte Ihres Vaters, der in hohem Alter eine schwierige Diagnose erhält, dann erst wirklich bricht. Ein Bild für Menschen, für eine Zeit, die innerlich mit aller Kraft an vergehender Jugend und Kraft hängen und dabei die Gegenwart, den Blick nach vorne, den verantwortlichen Umgang mit sich selbst und mit den Ihren hintenanstellen. Sensibel, persönlich, schonungslos teils und doch mit hoher Empathie erzählt Roshani das Leben ihrer Eltern, das Leben in einer bestimmten Zeit und Stimmung und die eigenen Gedanken aus dem eigenen Erleben der zerbrechenden Familie heraus, dass auch sprachlich so angelegt ist, dass es nicht irgendwann langweilig wird.
Fazit
Sicher ein spezielles Thema mit einer speziellen Atmosphäre, das nicht jeden Leser in gleicher Weise interessieren oder packen wird, aber eine gut geschriebene Betrachtung von Entwicklungen aus konkreten Persönlichkeiten heraus, die viel allgemein Bedenkenswertes in sich tragen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 07. März 2018

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