Susanne Kaloff: Nüchtern betrachtet war's betrunken nicht so berauschend

Nüchtern betrachtet war's betrunken nicht so berauschend

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-596-70133-9

Preis: 14,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. November 2018]
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Mit Wortwitz und doch ernsten Folgerungen über die Person hinaus

Während gerade, in Teilen erbittert, über eine mögliche Freigabe von Cannabis politisch gerungen wird, stellt Susanna Kaloff in ganz eigener, persönlicher Weise das Thema Alkohol (im persönlichen, vor allem aber im sozialen Kontext anhand ihrer eigenen Erfahrungen) dem Leser aus erfrischender Perspektive wieder vor Augen. Und das nicht aus irgendeiner drängenden Not des Alkoholismus in Suchtform heraus, sondern einerseits von der einfachen Entscheidung getragen, das Leben nüchtern und bewusst in jeder Situation erleben zu wollen und andererseits bestimmte Erfahrungen (durchaus auch peinliche) unter Alkoholeinfluss nicht mehr erleben zu wollen.

"Nein, ich musste nicht aufhören zu trinken!" - "Ich wollte aufhören, weil ich herausfinden wollte, wer ich ohne Beschleuniger, Verstärker, Sedierung und ohne ein Glas Wein in der Hand eigentlich bin".

Weiterhin auf jeden Fall eine dem Genuss zugewandte Frau, eine vielreisende und kreative Journalistin und ein lebenslustiger Mensch. Das alles in klarem, frischen, munteren Ton erzählt, einige persönlich überaus peinliche Momente werden dabei ebenso klar und ungezwungen dem Leser nahegebracht, wie alle anderen Themen. Wie das z.B. ist, wenn beim erotische Spiel der Geschlechter zunächst fühlbare Angst in den Raum tritt, ob das noch so ungezwungen stattfindet mit dem französischen Freund, dem man bisher (nicht nur) im Bett schon ein wenig "aufgelockert" durch Wein begegnet ist.

Dass das geht, gut geht und gut tut, dass ist die eine Erkenntnis, die Susanne Kaloff dem Leser nachhaltig vermittelt. Die man aber, ohne diese Seite des Werkes herabzuwürdigen, eher als die geringer gewichtete Seite der Lektüre am Ende empfindet. Wie nämlich das Umfeld, das nahe und ferne, reagiert auf dieses konsequente "Für mich bitte ein Glas Wasser", dass ist durchaus erschreckend und zeigt mit großer Wucht auf, wie sehr der Alkohol "zum guten Ton", zum "Dabeisein-dürfen" gehört. Gut, eine 14tägige "Detox-Phase", das ist in den Kreisen Kaloffs wohl regelmäßig üblich und wird toleriert, aber im Lauf der Zeit fängt das Munkeln, die Anzüglichkeiten an und verstärken sich.

"Probleme mit Alkohol"? in Form einer Sucht, das sind die ersten, noch indirekt angefragten Vermutungen. Spaßbremse, Unlustig und vieles mehr an Reaktionen zeigen während der Lektüre eins deutlich: Alkohol isst so sehr Teil des Gesellschaftlichen und geselligen Lebens, dass es nicht nur fast ein Zwang ist, mitzuhalten, will man nicht mehr und mehr schrittweise in ein Einsiedlerdasein abrutschen oder ständig Bemerkungen standhalten müssen.

"Sie meinte, solange man nicht mit Fieber im Bett liegt oder eine chronische Erkrankung hat, gäbe es doch keinen Grund, nicht täglich Alkohol zu konsumieren".
Fazit
Ein flüssig verfasstes, in der Sprache sehr klares und im Inhalt teils bedrängendes Buch, dass dem Leser die Augen weit öffnet, wie sehr Alkohol ganz allgemein und verbreitet "zwanghafter" Teil des "Geselligen Lebens" ist. Und zudem gelingt es Kaloff, überzeugend die Vorteile eines "nüchternen" Erlebens vor die Augen zu legen. Empfehlenswert!
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 01. März 2018

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