Ugo Bardi: Der Seneca Effekt

Der Seneca Effekt

Verlag: Oekom Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-9600601-0-9

Preis: 25,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2017]
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Umgang mit dem Kollaps

In der letzten Zeit sind einige Werke, je mit besonderem Schwerpunkt, erschienen, die das "Scheitern" zum Thema machen und einen je konstruktiven Umgang mit dieser, oft mit unangenehmen Gefühlen und Bewertungen Verhafteten und daher für die meisten zum Versuch führend, ein Scheitern um jeden Preis zu verhindern, wichtigen Seite der Existenz zu finden. Sei es die "Kunst des spielerischen Scheiterns" von Michael Stuhlmiller für die ganz individuelle, persönliche Ebene (Scheitern als dazugehörend und vor allem als Chance zu betrachten), seinen es die Überlegungen von Ugo Bardi in diesem vorliegenden Werk, die am Ende den Leser gut argumentiert und überzeugend dargestellt dahinführen, den "Kollaps" zu bewältigen". Sei es bei Stuhlmiller das "Kippen" der Person durch Scheitern an Situationen (was er in Bezug auf den "Clown" intensiv herausarbeitet"), sei es das "Kippen" ganzer Systeme, von Imperien hin zum ökologischen System, wenn ein bestimmter Punkt der Krise erreicht ist.

Wobei gilt, dass der Aufbau eines Systems, einer Fertigkeit, eines Imperiums langdauernd in kleinen Schritten erfolgt, das "Fallen bergab" allerdings oft mit einem Knall in viel rascherer Zeit das System zum Scheitern bringt. Wie bei der "Mutter aller Zusammenbrüche", dem Untergang des römischen Reiches. Dem Seneca entstammt und dem Bardi einen eigenen Hauptteil im Buch widmet, um anhand dieser geschichtlich breit Bekannten Ereigniskette die Gesetzmäßigkeiten von "Kippen" und "Kollaps" verständlich zu demonstrieren.

"Um die Auswirkungen eines Kollapses zu bewältigen, muss man verstehen, wie er entsteht, sich entwickelt und auswirkt".

Was Bardi ruhig, sachlich und nüchtern, vor allem aber durchgehend griffig und plastisch dem Leser zu vermitteln versteht. Als Grundlage für dieses Verstehen und die daraus zu ziehenden Folgen gilt dabei die Haltung Senecas, die Notwendigkeit von Veränderung und Wandel bedingungslos zunächst zu akzeptieren und damit sich nicht in "Kämpfen gegen Windmühlen" oder "rutschende System" zu verausgaben. Sondern "mit zu kippen" und im Scheitern bewusst genügend Energie aufzubauen, um am Ende wieder "aufzustehen".

Die leitenden Fragen sind daher nicht: Wie kann ich eine Krise, einen Kollaps, ein Scheitern um jeden Preis vermeiden (das wird nicht gehen, wie die Geschichte zeigt), sondern denk- und damit handlungsfähig zu bleiben durch den klaren Blick auf die bestmögliche Haltung: "Was ist zu tun? Das Beste machen aus dem, was in deiner Macht steht und den Rest so nehmen, wie er natürlich passiert".

Eine Haltung, die leicht intellektuell nachzuvollziehen ist, aber umso schwerer "im Gefühl" umsetzbar scheint. Für den einzelnen und für Gesellschaften. "Kollaps ist kein Defizit, er ist eine Eigenschaft". Und gehört damit, folgt man der Lektüre aufmerksam, wie eine "natürliche Gegebenheit" zum individuellen und allgemeinen Leben dazu. Aber, auch das gilt, keineswegs destruktiv ist Bardis Bericht angelegt. "Wenn man weiß, was Zusammenbrüche sind, werden sie nicht mehr überraschen und können verhindert werden. Man kann sie möglicherweise bewältigen und zum eigenen Vorteil verwenden".
Fazit
Was Bardi mit einer überzeugenden Strategie am Ende des Werkes belegt und diese dem Leser damit an die Hand gibt. Es wäre zu wünschen, dass aus diesem "das bestmögliche machen, ohne vor Angst vor einem Kollaps zu erstarren" eine breite Reflexion politischer und gesellschaftlicher Handlungen entsteht. Mit dem Ziel, zu prüfen, wo aus "Angst vor Kontrollverlust" unsinnig oder gar schädlich gehandelt wird und wo mehr "Mut zur Zukunft" auch Krisen dann nicht nur in Kauf nehmen kann, sondern diese als gestalterische Möglichkeiten begriffen werden kann.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. Dezember 2017

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