Ronen Steinke: Der Muslim und die Jüdin

Der Muslim und die Jüdin

Verlag: Berlinverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-8270-1351-4

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2017]
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Ein herausragendes Verhalten

Das es auch im dritten Reich nicht wenige Menschen gab, die, oft unter Gefahr für das eigene Wohl und Leben, vom Regime verfolgten halfen, dass ein Oskar Schindler als "Gerechter" in Israel gilt, dass viele einfach Bürger jüdische Mitbürger versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen, das dürfte breit bekannt sein. Dass aber ein Moslem im dritten Reich eine Jüdin mitten in Berlin beschützt und rettet, das ist zum einen weder sonderlich bekannt noch sonderlich alltäglich.

Zum einen, weil Mohammed Helmy, Arzt in Berlin, aufgrund seiner Herkunft und seines Glaubens schon auf sich selbst bezogen keinen besonders leichten Stand zur damaligen Zeit in Deutschland hatte. Und zum anderen, weil bis auf den heutigen Tag und aus der Geschichte heraus seit Urzeiten bekannt, Moslems und Juden sich in breiten Teilen feindlich gegenüberstehen. Und dabei war Helmy bereits aufgefallen und stand unter Beobachtung der Sicherheitskräfte des Reiches.

Dennoch galt auch: "Das muslimische Berlin war ein Schmelztiegel gewesen. Gut für Anna (die "zu versteckende" Jüdin". Es war eine Welt der fließenden Übergänge entstanden", mit Tarnnamen und Tarnidentitäten, infolge derer Anna zu "Nadja" wurde. Was gerade dadurch begünstigt wurde, dass in den Jahren zuvor der Islam einen gewissen Zulauf erhalten hatte. "Ein Drittel der Muslime Berlins waren Konvertiten". Eine Menge Menschen, in der der ein oder die andere Einzelne, wie im Buch prägnant und überaus spannend beschrieben, mit einem gewissen Erfolg versuchen konnte, ein- und unterzutauchen.

Wobei, auch das sei erwähnt, damit im Buch dem Leser eben jene muslimische Gemeinde der damaligen Zeit in Berlin in ihrem alltäglichen Leben ebenso nähergebracht wird, wie auch deutlich wird, dass Helmy kein "Alleintäter" war, sondern sich auf ein übersichtliches Netzwerk stützen konnte mit seinem mitmenschlichen Versuch, Menschen vor Schaden im Regime zu bewahren. Lebendig erzählt Steinke diese Geschichte und lässt den Leser ein ums andere Mal die Spannung der gefährlichen Momente nachspüren. Wenn die jüdische Mutter mitsamt gelbem Davidstern an der Tür eben jener Anna klingelt, die als vermeintliche Muslimin "Nadja" nur durch "die dünne Hülle dieser Tarnung" geschützt war.

Wenn man die Luft anhält, ob falsche Papiere ihre Wirkung nicht verfehlen. Und ebenso gelingt es, Person und Werdegang dieses außerordentlichen Arztes und Menschen in Berlin (der als bis her einziger Araber ebenfalls den Titel eines "Gerechten" in Israel erhielt) im Buch nachzuvollziehen.
Fazit
Eine der Geschichten, die am Ende den Leser zufrieden das Buch sinken lassen wird mit der klaren Erkenntnis, das echte Mitmenschlichkeit möglich ist, dass dabei zu Zeiten immer viel, "das Ganze" riskiert wird und zwischenmenschliche Grenzen religiöser oder nationaler Ausgestaltung ihre Bedeutung verlieren, wenn es um die Entscheidung geht, anderen das Leben zu retten.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. Dezember 2017

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