Oliver Sacks: Der Strom des Bewusstseins. Über Kreativität und Gehirn

Der Strom des Bewusstseins. Über Kreativität und Gehirn

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Naturwissenschaften
ISBN-13 978-3-498-06434-1

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. Dezember 2017]
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Oliver Sacks zeigt sich in seinem letzten Buch noch einmal als ungeheuer vielseitiges naturwissenschaftliches Ausnahmetalent. Nur weil er sich mühelos zwischen Medizin, Evolutionsgeschichte, Neurowissenschaften, Botanik, Literatur und Kunst bewegen konnte, waren seine Beobachtungen menschlichen Verhaltens möglich. So wundert es nicht, dass Sacks Charles Darwin verehrte, einen Forscher, der sich stärker für das Wie und Warum interessierte als für das Was. Darwin steht dabei stellvertretend für die Eigenheit von Wissenschaft, dass sie zuerst beobachtet und beschreibt und diese Beobachtungen oft erst Jahre später interpretiert werden können. Auch Freud war als Neurologe und Anatom ähnlich vielseitig gebildet wie Sacks und prägte damit unser heutiges Verständnis des menschlichen Gehirns. Deutlich wird in diesen Texten, dass Sacks aufgrund seiner interdisziplinären Sichtweise seine Patienten anders wahrnehmen konnte als jemand, der nur Mediziner gewesen wäre. So erkannte Sacks die Störung des Raum- und Zeitempfindens bei Parkinson-Patienten aufgrund seiner Lektüre von H.G. Wells.

Beeindruckend auch, wie Sacks sein Erleben als Patient in seine Forschung einfließen ließ. Dazu gehören neben der Geschichte seiner Gesichtsblindheit und seiner Krebserkrankung Aufzeichnungen über akustische Missverständnisse, als er im Alter sein Hörvermögen verlor. Neu war für mich hier ein Aufsatz über Verfälschung der eigenen Erinnerungen, unbewusste Plagiate und unseren Glauben an das, was wir erzählen. Mit der Weisheit des Alters ist Sacks in der Lage anzuerkennen, dass ein Wissenschaftler oft "auf den Schultern von Riesen steht", also von der Forschung voriger Generationen profitiert, ohne das aus seiner Perspektive unbedingt erkennen zu können.

Oliver Sacks letztes Buch wurde posthum von seinen Mitarbeitern Kate Edgar, Daniel Frank und Bill Hayes herausgegeben. Der britische Neurologe stammte aus einer Familie von Naturwissenschaftlern, beide Eltern und Sacks drei Brüder waren ebenfalls Mediziner. Sacks empathische Beobachtungsgabe und seine populären Fallgeschichten machten ihn einem breiten Leserkreis bekannt. Er konnte die Beziehung zwischen Medizinern und Patienten nachhaltig verändern, indem er sich aus seiner Perspektive als Patient auch kritisch mit dem Erleben des Patienten im Krankenhaus befasste.
Fazit
"Der Strom des Bewusstseins" lässt sich als Sacks rückblickende Würdigung seiner Kindheit in einer Arztfamilie lesen, aber auch als Anerkennung der Fußstapfen von Kollegen, in die Forscher bei ihrer Arbeit treten. Die Kenntnis der Fallgeschichten oder seiner biografischen Texte ist für das Verständnis dieses Bandes hilfreich.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 28. November 2017

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