Adrian Owen: Zwischenwelten

Zwischenwelten

Verlag: Droemer Knaur [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-426-27694-5

Preis: 19,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 24. Januar 2018]
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Einblick in den gegenwärtigen Stand der technischen Neurologie

Zunächst muss darauf hingewiesen werden, dass der Titel und Untertitel des Werkes zwar aus Sicht des Autors passend gewählt ist, der Leser aber in der Gefahr steht, das Werk mit falschen Erwartungen zu erwerben. "Die Grauzone zwischen Leben und Tod", wie Owen das Buch untertitelt, könnte nun einmal leicht in Richtung einer "Erforschung des Jenseits" oder in den (nicht minder uninteressanten Zweig der "Nahtod-Literatur" eingeordnet auf den ersten Blick verstanden werden. Das ist aber letztlich nicht das Thema dieses persönlichen Berichtes über die medizinische Arbeit mit, weitgehend, "Wachkomapatienten". Diesen Zustand benennt Owen als "Zwischenwelt zwischen Leben und Tod". Für das Umfeld, die Angehörigen, die Ärzteschaft sind solche Personen wenig zugänglich, sei es ein tiefes Koma, sei es ein Wachkoma in verschiedensten Ausprägungen, sei es das "Locked in Syndrom".

Was aber die Arbeit Owens, von der das Buch mit vielfachen Fallbeispielen kündet, so interessant für den Elser macht, ist nicht unbedingt nur das Mitleid mit den vielfachen Personen und Patienten, die Owen in ihrer Krankheitsgeschichte minutiös nachvollzieht, sondern auch die Geschichte des neurowissenschaftlichen Fortschritts. Die Erfindung von Maschinen, mit denen detailliert "Gehirnschichten" betrachtet werden können, Reaktionen sichtbar gemacht werden, Scheibe für Scheibe das Gehirn sich dem Betrachter in seinen biochemischen Prozessen offenbart und damit auch im Gehirn Bereiche "markiert" werden können, die für bestimmte Prozesse des Körpers und des Gedächtnisses, der Empfindungen und der Kommunikation genutzt werden.

So ist es der Arbeit Owens zu verdanken (auch persönlich betroffen, was die Geschichte seiner Mutter und seiner ersten Partnerin im erwachsenen Leben angeht), dass inzwischen klar feststellbar ist, ob Koma-Patienten nur noch "Gemüse" wären, oder eben doch vielfache Außenreize aufnehmen einerseits und in einer aktiven Gedankenwelt anderseits als "Menschen in besonderer Verfassung" trotz fehlender, äußerer Merkmale "präsent" sind. "Der wahre Kern der Wachkomaforschung liegt jenseits der ausgeklügelten Experimente und der verblüffenden Technologie. Es geht darum, scheinbar "verlorengegangene Menschen" wiederzufinden und mit ihren Angehörigen in Verbindung zu bringen".
Fazit
Wo Owen ausführlich von diesen Behandlungen und Wegen in das Innere eines Koma-Patienten berichtet, ist das Buch hoch informativ und eröffnet dem Leser tatsächlich ganz andere als die alltäglichen Welten. Die vielfachen Inhalte des persönlichen Werdegangs, der verschiedenen Forschungsstellen und der privaten Lebensumstände Owens demgegenüber bieten wenig Interessantes, außer einer Auflockerung im Stil, der daher mitnichten knochentrocken seine Inhalte vermittelt. Auf jeden Fall eine interessante Lektüre.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 20. November 2017

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