Jhumpa Lahiri: Mit anderen Worten. Wie ich mich ins Italienische verliebte

Mit anderen Worten. Wie ich mich ins Italienische verliebte

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-498-03945-5

Preis: 14,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 14. Januar 2018]
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Jhumpa Lahiri ist als Kind bengalischer Einwanderer in England geboren und in Rhode Island/USA aufgewachsen. Sie konnte ihre Muttersprache Bengali nicht lesen und schreiben, studierte in den USA und promovierte in Literatur mit einem Thema mit Italien-Bezug. Eine Reise nach Florenz markierte den Beginn von Lahiris Beziehung zum Italienischen, die zu einem längeren Italienaufenthalt führte und zur Veröffentlichung in italienischer Sprache.

"Mit anderen Worten" ist ein faszinierender biografischer Text zum Spracherwerb. Er beginnt mit dem Zustand des sprachlichen Exils; denn Lahiri konnte in den USA keine Bücher in Bengali finden, der Sprache, die in der Familie gesprochen wurde. In der italienischen Sprache fühlte Lahiri sich lange als Nichtschwimmerin, weil sie nicht in ihr lebte, keinen Bezug zu ihrem Leben in den USA herstellen konnte. Um das Schreiben in der fremden Sprache und ihre Identität als Autorin kreisen nun ihre Gedanken. Schließlich vermittelt das Eintauchen in die kleinteilige Geografie der Stadt Venedig Lahiri den Zugang zur Sprache. In Venedig platzt förmlich der Knoten. Indem sie sich Zugang zum Italienischen in Wort und Schrift erkämpft, erarbeitet Lahiri sich eine Beziehung zu ihren beiden unvollkommenen Sprachen, Bengali, das sie nicht lesen kann, und Englisch als Stiefmutter-Sprache, das sie als Autorin weltbekannt machte. Nun kann sie die Trauer ihrer Eltern begreifen um die verlorene Muttersprache Bengali. Verbunden mit Lahiris Eintauchen ins Italienische ist die deprimierende Erkenntnis, dass sie selbst als Autorin, die ein Buch in italienischer Sprache verfasst hat, im Land fremd wirkt und als fremd erlebt wird. Sie wird immer gefragt werden, woher sie kommt, nicht aber ihr südeuropäisch aussehender Mann, der nur gebrochen Italienisch spricht.

Der hohe Anspruch, italienische Texte zu verfassen, frustriert die erfolgreiche Autorin zunächst. Mit "Die Verwechslung" entsteht die Geschichte (im Buch enthalten) einer Übersetzerin, die alles weggibt, um in einer Stadt Menschen zu beobachten, in der sie die Sprache nicht versteht. Als ihre Jacke vertauscht wird, erlebt sie sich in einer fremden Jacke als eine andere Person.
Fazit
Jhumpa Lahiri verkörpert die erste Generation von Einwanderer-Kindern in die USA, die sich ihren Zugang zur neuen Sprache selbst erkämpfen mussten in einer Kultur, in der Menschen außerhalb der Einwanderer-Communities selten Fremdsprachen sprechen. Zum Thema Spracherwerb und Mehrsprachigkeit legt sie hier einen faszinierenden, sehr persönlichen Text vor, der anregt, sich noch einmal mit ihrem Werk auseinanderzusetzen.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 20. November 2017

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