Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt

Der gefährlichste Ort der Welt

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinder- und Jugendliteratur
ISBN-13 978-3-423-28133-1

Preis: 21,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. November 2017]
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Feinfühlig dem Inneren nachspürend

Nun ja, Mill Valley, gut 11.000 Einwohner, im Dienstgebiet San Franciscos, auf der anderen Seite der "Golden Gate" ist nicht anderes (was allein schon die Verweise auf Durchschnittseinkommen und Bevölkerung im Buch vermittelt), als eine ruhige, wohlhabende, vom gesellschaftlichen Leben her eher langweilige "Schlaf-Stadt" für Menschen, die morgens eilig in die Metropole zur Arbeit fahren. Und eine Stadt, in der durchaus Kinder und Jugendliche eigentlich behütet aufwachsen könnten, bis sie, was üblich ist, um das 18. Lebensjahr herum den Ort verlassen für Ausbildungen, College, Studium. Das also, wird von Beginn n klar, ist nicht der "gefährlichste Ort" der Welt. Wohl aber liegt in diesem Ort, (wie in allen Orten der Welt), ein "gefährlicher Ort".

Die Seele heranwachsender Jugendlicher im digitalen Zeitalter. Wie mag das auf einen wirken, der eher am Rande in der Schule steht, der kein Sport-As, keine Party-Kanone ist und sich dennoch ein Herz fasst, sein Herz einem Mädchen schriftlich zu offenbaren? So ganz "Old-School". Er, der allein mit seiner Mutter lebt. "Der traut sich was", könnte man sagen. Und wenn der Roman ein Liebesroman wäre, dann würde vielleicht auch über vielen Umwegen was draus werden. Aber nicht in der real gezeichneten Welt, die Johnson dem Leser empathisch mit auf den Weg gibt.

Facebook ist der Ort, wo Beziehungen "abgehandelt" werden und, natürlich, jeder kleine Funken von Lächerlichkeit eines andere zu eigenen "verbalen Heldentaten" (was natürlich nur Feige ist) "ausgeschlachtet" werden. Shitstorms, Machtkämpfe, "starke "Männer" (meinen die) mit coolen Sprüchen", Tristan muss am eigenen Leib erleben, wie wenig vertrauenswürdig die Welt, zarte Gefühle und Mädchen (nicht alle) in diesem pubertären Alter sind. "Digital Zerrissen" wird nicht nur sein Brief von einer immer größeren Horde gehässiger Kommentare, nein, digital zerrissen wird er als Person, als noch gar nicht fertige Person. Mit dramatischen Folgen.

Was im Übrigen nur der Einstieg in diesen Roman darstellt, in dem die Entwicklung einiger Charaktere je als Symbol für bestimmte Haltungen, Seite für Seite vor Augen geführt wird. Und in dem drängend deutlich wird, wie schutzlos, alleingelassen und den Wirrungen der Gefühle, vor allen denen anderer "social media Verbundenen" jeder der Jugendlichen ausgeliefert ist.
Fazit
Trotz des eher ruhigen Tons und trotz der sich auch mit manchen Längen dahinziehenden Handlung lässt einen dieser Roman als Erwachsener nachdenklich zurück und dürfte als Lektüre gerade auch pubertierenden Jugendlichen zu empfehlen sein, um eine gewisse Distanz zu all dem Gerede und den halbstarken Pöbeleien im Netz vielleicht aufbauen zu können. Unfassbar ist und bleibt es dennoch, wie leicht Grausamkeiten mit Verve aufgegriffen werden, wenn sich vermeintliche Opfer abzuzeichnen scheinen.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 13. November 2017

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