Gay Talese: Der Voyeur

Der Voyeur

Verlag: Hoffmann und Campe [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-455-00099-3

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. August 2017]
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Im dokumentarischen Stil angelegte Fall-Beschreibung

Der Dachboden ist mit dicken Teppichen ausgelegt. Die Tür zum Dachboden fest verschlossen, nur der Besitzer des Hotels du seine Frau (aber keinesfalls der Rest seiner Familienangehörigen) hat einen Schlüssel zu dieser Tür. Der Teppichboden dient, man ahnt es beim Thema bereits, der Schalldämpfung. Denn über so gut wie jedem Zimmer des Manor-House-Motels hat Gerald Foss Gucklöscher in der Decke anbringen lassen, die vom Zimmer aus, mit Aluminium verkleidet, wie Lüftungsschächte wirken. Und welcher Gast, vor allem natürlich, was Paare in jedweder Konstellation angeht, würde schon ahnen, dass er durch einen Einwegspiegel genaustens und ausführlich in seinen intimsten Verrichtungen (was natürlich, denn Gerald Foss ist bekennender Voyeur) vor allem im Bett beim Sex betrachtet und "kartographiert" wird.

Wobei im Buch dies alles im Stil einer Reportage und Dokumentation Schritt für Schritt von der Neigung zum Plan zur Ausführung dem Leser zu Gemüte geführt wird. Was einerseits durchaus nicht uninteressante Einblicke in das Sexualleben des Menschen in vielfachen Facetten (etwas trocken im Ton leider) ergibt, was andererseits, gerade durch den Stil, sich doch ein wenig durch die 220 Seite des Buches zäh hinzieht. Trotz vielfacher explizier sexueller Darstellungen, die aber mehr und mehr gerade durch die Vielzahl an Spannung verlieren. Hat man erst einmal das Erschrecken über diese unglaubliche Dreistigkeit verdaut, macht man sich klar, wie sehr man selbst unbedarft durch das Leben geht und vielfachen digitalen Diensten vielleicht ebenso intime Einblicke (wenn auch nicht direkt im Bett wohl) gibt, dann lässt die Spannung bei der Lektüre doch Seite für Seite mehr nach.

Ausführliche Aufzeichungen hat Foss über seine Beobachtungen festgehalten, die ebenso Teil des Buches sind, wie die (leider weitgehend rein äußerlich gehaltene) Geschichte dieses "Voyeurs der Voyeure". Was ein stückweit bei der Lektüre fehlt (auch wenn hier und da Ansätze zu erkennen sind), ist ein tieferes Eindringen in die "innere Welt". Der Bobachtung an sich. Der Gründe für diese "Neigung", der persönlichen, inneren, psychischen Geschichte des Mannes auf der "sehenden" Seite der "Gucklöcher". Wobei andererseits die Entwicklung hin zum "perfekten Voyeur" durchaus reizvoll zu lesen ist und omnipotente Haltungen wie eines "verborgenen Gottes" durchaus konstatiert werden können.
Fazit
Alles in allem eine Lektüre, die einen gemischten Eindruck von Stärken und Schwächen hinterlässt, aber das gewählte Thema sachgerecht und umfangreich behandelt.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 31. Juli 2017

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