Helen Garner: Drei Söhne

Drei Söhne

Verlag: Berlin Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-8270-1269-2

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 19. Juni 2018]
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Akribisch und empathisch dokumentiert

2005 geschieht es. Ein Vater kommt in seinem Wagen von der Straße ab und landet in einem See. Seine drei Söhne sterben bei diesem Unfall, der Vater kann sich retten. Ein Ereignis, dass nicht nur die engere Umgebung des kleinen Ortes am Viktoriasee tief betroffen zurücklässt, sondern dass bald auch landesweit (und das für Jahre) Schlagzeilen machen wird. Eine nationale Tragödie in Australien.

Aber ist es so, dass dies "nur" ein reiner Unfall war? Oder hatte der Vater selbstmörderische Absichten und nahm seine drei Söhne bewusst mit "in den Tod" oder war es gar so, dass der, von seiner Frau getrennt lebender Mann, "ihr eins auswischen" wollte und daher, im Affekt oder kaltblütig, seine Söhne für das Verhalten ihrer Mutter (die inzwischen einen neuen Lebensgefährten gefunden hatte) büßen lassen wollte?

Am Ende wird die Jury ein Urteil finden und eine Begründung liefern. Am Ende wird der Anwalt des Mannes, der sich mit ganzer Kraft in den Fall hineingibt, zumindest wird Rechtsanwalt Morrissey etliches an Kilo verlieren in diesen Jahren und dann bis zur letzten Berufungsinstanz. Wobei der Gewichtsverlust nicht nur mit der aufreibenden Arbeit, sondern auch mit einer Krankheit zu tun hat, die Morrissey durchaus im Verfahren zugunsten seines Mandanten einzusetzen versteht.

Das bei den Ermittlungen alle Strippen gezogen wurden, inklusive der Ausstattung eines Bekannten des Todesfahrers mit einem Mikrofon, dass die wütenden Bemerkungen, die Robert Farquharson seiner Frau ins Gesicht warf und in Gesprächen mit Bekannten darauf Bezug nahm, dass aber ebenso auch Gründe für andere Tathergänge bis hin zum einfachen Unfall zu finden sind, all das führt Garner, selbst von diesem Prozess journalistisch und menschliche gepackt, in ruhiger, sachlicher Darstellung Seite für Seite aus.

Vom Hergang des Ereignisses über die Ermittlungen der Behörden bis hin zu Eröffnung und Durchführung des Prozesses, Garner lässt nichts aus, ohne sich dabei allerdings in juristische Spitzfindigkeiten zu verlieren oder je das Gesamte des Ereignisses aus dem Blick zu verlieren. Sie entrollt das ganze Drama hinter den Ereignissen.

"Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Scheißkarre zur Waffe und dann zum Sarg".

Einer, dem das bürgerliche Leben wegbrach, einer, der zum Gestrandeten der Gesellschaft wurde und am Ende sich und seinen drei Söhnen (wenn man sich sah) nur ein altes, zerfleddertes Auto als "Heim" anbieten konnte, den alten "Commodore". So klar und deutlich später auch das Urteil ausfällt, es beruht bei den entscheidenden Momenten nur auf Indizien. Und der Leser selbst wird das Hin- und Her der Frage nach der Schuld oder doch nur Fahrlässigkeit noch ins ich bewegen.
Fazit
Gerade weil Garner sehr klar die Beweisaufnahm erläutert und ebenso genügend Zeit findet, immer wieder auf die Lebensumstände der Beteiligten einzugehen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 25. November 2016

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