Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht

Ein Schlag ins Gesicht

Verlag: Tropen Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-608-50216-9

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2020]
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Sprachlich herausragender Krimi

Es sind die, die am Ende sind. Die vielleicht vor langer Zeit mal "in" waren, oder "cool", di aber schon lange nicht mehr mit der Welt da draußen Schritt halten wollten oder auch nur könnten, wenn Sie ehrlich sind.

"Der Rest ging im Sturm unter, der jetzt im Raum ausbrach – die Rentner gingen unter, der Hund bellte…..die Theke füllte sich klirrend mit Flaschen und Gläsern".

In dieser Kneipe am Silvesterabend, die eine Minute vorher noch so behaglich mit ein paar gestrauchelten Gestalten gefüllt war. Armin, der Punk (damals) und Fallner, der Polizist (ehemaliger), Trübsinn, Alkohol, Aussichtslosigkeit (was die Frau von Armin und die Lebensgefährtin von Fallner angeht, beide weg. Dauerhaft). Das einzige, was bis zu diesem Auftritt der attraktiven Frauen, alle im roten Mantel gekleidet, störte, war der desaströse Musikgeschmack des Enkels des Wirts, der an diesem Abend den Laden bediente. Da kennt sich Fallner aus, da hat er ganz eigene Vorstellungen. Die ansonsten in seinem Leben gerade wohl alle die Biege gemacht haben, einen festen Rahmen, eine klare Ausrichtung, die hat dieser Fallner schon lange nicht mehr. Ein "Gefallener des Lebens" eben. Unter so vielen, die nur noch Randgestalten im eigenen biographischen Film darzustellen scheinen.

Der erfolgreiche Bruder hat Fallner einen kleinen Auftrag als nunmehr "Privatier" gegeben. Den Beschwerden einer ebenso alternden (wie immer noch gecken) "Schauspielerin" über einen Stalker nachzugehen. Wobei das "Schauspiel" in den "berühmten Rollen" eher an anderen Attributen festgemacht wurde, als an darstellender Kunst oder gar dem Text, den Simone Thomas vielleicht barbusig auch noch gemurmelt haben könnte. Ein Stalker, der nicht nur nicht zu fassen, sondern auch gar nicht zu sehen ist. Außer von Simone, die steif und fest behauptet, da wäre einer. Und Fallner nimmt das durchaus ernst. In seiner trockenen, zynischen, ständig hochironischen Sprache, in der Dobler sattsam Anklänge an die "coolen Männer" der alten Hollywoodthriller erinnert.

Und auf dem Weg in die Hinterstuben einiger heruntergekommenen Gastronomie, im Hinterkopf den Betrug seines Ex-Kollegen, der ihm eine Waffe untergejubelt hat, damit er sich in Ruhe Fallners Frau "vornehmen" kann, dringt dieser Fallner tief hinein in die "70er", die damaligen Helden, das Gefühl der Zeit, das im Haus der Simone Thomas irgendwie stehen geblieben sein könnte. "Sein Leben war eine Kette von Fehlern. Er hatte dem Bruder sein Wort gegeben und dummerweise war "Sein-Wort-geben" eine Dummheit, die man nicht löschen konnte". Die aber durchgezogen wird, auch das ein Relikt aus Zeiten, als ein Wort noch galt. Auch diesmal wieder nicht mit zarter Hand schickt Dobler seine Personen in eine sich ständig entfaltende und verändernde Geschichte. Mit spürbarer Lust an der Gestaltung des Scheiterns damals und heute, dem Anblick des Gefallen-Seins bei Menschen, bei denen jedes "wieder aufstehen" mühseliger und mühseliger wird.
Fazit
Und das in solch hinreißender, anderer, zynischer, verdrehter Sprache, dass der eigentliche "Fall" und seine "Lösung" mehr und mehr in den Hintergrund treten beim Genuss, diesem Personal in seiner Vielfalt beim agieren zuzuschauen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 31. Oktober 2016

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