John Williams: Augustus

Augustus

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-28089-1

Preis: 2,26 Euro bei Amazon.de [Stand: 22. September 2020]
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Hervorragend zu lesender Briefroman

Eine besondere Form im Stil wählte John Williams 1972, als er diesen biographischen Roman über Gaius Octavian, nach der Adoption durch seinen (da schon ermordeten) Großonkel Julius Caesar mit dem Beinamen "Caesar" ergänzt und, nach Befriedung des Reiches als "Augustus" (der Erwählte) bekannt. Im Nachgang der Geschichte der maßgebliche römische Kaiser mit der längsten Regierungszeit, der größten Spanne von Frieden im Inneren, ein "guter und gütiger" Herrscher in späteren Tagen, aber ein harter, durchgreifender Mann in der Phase er Eroberung und Festigung der Macht.

"Zu viele Caesaren tun nicht gut", dies die lapidare Äußerung, als er Caesarion, den Sohn Cleopatras und seines Adoptivvaters Julius Caesar ermorden ließ. "Über Leichen zu gehen" war nicht nur notwendiges Übel, sondern wurde kaum weiter bedacht. Ebenso, wie Octacian ungerührt von Plünderung, Ermordung und Vergewaltigung durch seine Soldaten die Stadt betritt um Lepidus ohne große Anstrengung als Rivalen zur Seit zu schieben (nach dessen Sieg über Pompeius Legionen). Ein Charakter, der sich bereits in den Augen seiner Zeitgenossen einer klaren Deutung entzog. Was Williams in der Anlage seines Romans kongenial verdeutlicht.

Viele, meist historische Personen tragen durch ihre (fiktiven= Briefe aneinander, an andere, durch zitierte Befehle und Aushänge ihre Sicht der Dinge bei, folgen dem chronologischen Aufbaus des Romans je aus ihrer eigenen Sicht und schildern so das Wesend es Augustus, seine Kämpfe zu Beginn gegen die Verräter an Julius Caesar (falls dies nicht nur ein immer wieder laut vorgeschobener Grund allein im Blick auf die eigene Machtsteigerung und -Sicherung war) bis hin zum Jahre 31 v. C. mit dem Sieg gegen Marcus Antonius bei Actium.

Wobei Williams sein Werk in zwei inhaltliche Hauptteile anlegt. Zum einen der "Machtmensch" Augustus. Die Intrigen, Strategien, der Versuch vieler, die Macht nach Caesars Tod an sich zu reißen und, im späteren Verlauf, der Herrscher, der die privaten Dinge auch als Belastung erlebt, Das Scheitern auf der privaten und der persönlich - emotionalen Ebene, das vielleicht nichts anderes war, als der Preis für die Macht, wie im Nachwort dargelegt wird.

Die eigene Tochter zu verbannen aufgrund der eigenen, strikten Sittengesetze setzt damit fort, was auch im ersten Teil der Machtergreifung im Raum stand. Einen der ältesten Freunde aus der Freundschaft und den Ämtern entlassen zu müssen (wohlwissend, dass für einen ehrbaren Römer der Tod von eigener Hand die einzig denkbare Konsequenz aus diesem sein kann), den alten Cicero, der ihm durchaus nicht unsympathisch war, erschlagen zu lassen. Radikal, konsequent, ohne Zögern und in aller Härte geht Octavian gegen seine Gegner vor. Klug ist er, er weiß immer, woher Gefahr droht und wie er dieser begegnen kann.

Allerdings, und das arbeitet Williams ebenfalls wunderbar griffig heraus, nicht aus nur eigenem Machtstreben oder Ehrgeiz heraus, sondern weil Augustus tatsächlich ein größeres Ziel verfolgt. Rom zu festigen, die äußeren Feinde niederzuringen und in die Schranken zu weisen, das innere Konkurrenz- und Machtstreben in enge Bahnen zu lenken.

14 n.C. stirbt Augustus, der eine selbst verfasste Biographie hinterlässt. Der allerdings nicht unbedingt zu trauen ist, da sie als politische Propaganda vor allem gedacht und verfasst wurde. Dennoch ist es einer der Höhepunkte des Werkes, im letzten Kapitel Augustus erst- und letztmalig im Roman selbst zu Wort kommen zu lassen und in einer Mischung aus fiktivem Brief des Augustus uns Teilen seiner Autobiographie den Mann sein Leben betrachten zu lassen. Nicht mit Hochmut und Stoltz, sondern mit einer gewissen Genugtuung, aber auch Qual über das persönliche Erleben in all diesen Jahren.
Fazit
Rundum eine sehr lesenswerte Lektüre.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 25. Oktober 2016

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