Dieser Thriller von Magdalena Parys ist der zweite Roman der Berlin-Trilogie
dieser Autorin nach »Der Magier«. Der Roman der in Berlin lebenden
Schriftstellerin erschien bereits 2020 in Polen. Der Wiener Polente Verlag hat
ihn nun in deutscher Sprache für den deutschsprachigen Buchmarkt
herausgebracht.
Es beginnt alles recht unkompliziert. Im Berliner Dom entdeckt man die Leiche
eines gekreuzigten Priesters. Bald wird klar, dass es an einem anderen Ort
bereits einen ähnlichen Fall gab und dass die Öffentlichkeit sowie die Medien
nicht von diesen Leichnamen erfahren dürfen. Der Berliner Polizeipräsident
erhält von einer einflussreichen Person den Auftrag, die Morde zu untersuchen
und gleichzeitig die Informationen vor der Presse zu verbergen.
Nahezu zeitgleich mit der Entdeckung der Leiche kommt es unter rätselhaften
Umständen zu einem Feuer in einer Unterkunft für Migranten. Aber nicht nur an
diesem Ort, auch in anderen Bundesländern nehmen separatistische Tendenzen zu,
und ein schädlicher Nationalismus scheint sich erneut zu etablieren. Ein
erheblicher Teil der Bundeswehr wird dabei als einflussreich angesehen.
Aber wem nützen diese scheinbar willkürlichen Ereignisse wirklich? Einem
rücksichtslosen Individuum, das sich selbst als Prinz tituliert und inspiriert
von Gabriele D’Annunzios Experiment in Fiume, das Imperium Germanum neu
erwecken möchte? Einer geheimen Organisation, die sich der demokratischen
Aufsicht entzieht? Oder etwa Regierungsvertretern, die um die höchste Position
im Staat ringen?
Der Polizeipräsident von Berlin, Tschapieski, die Fernsehreporterin Dagmara
Bosch und Kommissar Kowalski gehen tief in die Komplexität dieses Falls, bei
dem auch die Zukunft des Staates auf dem Spiel steht.
Als ich vor dem Erscheinen des Romans »Der Prinz« den Klappentext gelesen
hatte, empfand ich eine gewisse Ähnlichkeit zu einem weitaus bekannteren Werk
der Literatur: »Die Akte Odessa« von Fredrick Forsyth. Und tatsächlich wird
zwischen Widmung und erstem Kapitel darauf hingewisen, dass beide Romane
dieselbe Wurzel an Informationen als Ausgangspunkt nutzen. Die geheime Gründung
einer Armee nach dem zweiten Weltkrieg durch Wehrmacht- und SS-Veteranen, die
nicht einsehen wollten, dass Deutschland den Krieg verloren hatte.
Mit dieser Information machte mir der Roman sofort mehr Spaß und ich fand es
auch klasse, dass die Autorin mit einem kurzen Statement innerhalb des Textes
hierauf eingeht. Darüberhinaus steht sie dem großen britischen Schriftsteller
nicht nach. Ähnlich wie der nutzt auch sie die Möglichkeit, weiteres
Detailwissen oder fiktive Lebensläufe in die Handlung einzuflechten.
Sehr vielschichtig ist die Handlung von »Der Prinz« in verschiedene Stränge
aufgebaut, die sich an einzelnen Figuren festmachen. Es braucht viele Seiten,
bis man gut und böse voneinander getrennt hat und weiß dennoch nicht, ob diese
Einschätzung auch am Ende so bleibt, oder ob nicht doch noch eine Überraschung
wartet. So viel sei verraten: Es gibt mehr als eine Überraschung!
Die Figuren werden sehr umfangreich beschrieben. Dafür halten nicht einfach nur
Personenbeschreibungen her, sondern ganze separate Handlungsstränge und Szenen
befassen sich mit Teilen aus dem Leben der jeweiligen Figur. Damit werden sie
vielschichtig, nahbar, liebens- oder hassenswürdig. Ihre Motive für ihr
Verhalten während der Haupthandlung werden offenbar und das Verhalten selbst
als plausibel.
Nicht nur die vielseitige Spannung in »Der Prinz« rund um eine
Verschwörungstheorie und die mit bedacht gestalteten Figuren haben mir sehr
gefallen. Auch die Geschaltung des Buches hat mir gefallen. So wird jedes
Kapitel durch ein Gemälde aus sogenannten "Beutekunst" eingeleitet.
Neben der Abbildung der Gemälde wird deren Namen und Herkunft genannt und
zusätzlich mit der Information beschrieben, wo sich das Bild einmal befunden
hat und wohin es im oder nach dem zweiten Weltkrieg gekommen war. Außerdem gibt
es in jedem Kapitel einen sehr interessanten Bibelspruch, ein Zitat, welches
sich durchaus auf die Handlung bezieht.
Fazit
Der Roman ist top-empfehlenswert für Leser, die gerne Thriller im Dunst von
Verschwörungstheorien, Neo-Nazis und Geheimdiensten lesen. Fans von Frederick
Forsyth werden auch diesen Roman lieben.
Vorgeschlagen von Detlef Knut
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veröffentlicht am 01. April 2026 2026-04-01 10:51:11