Durch diesem Roman von Toni Garber wurde ich wieder auf die Fährte des Kalten
Krieges und der Spionage geführt. Angesichts der gegenwärtigen Nachrichten
lässt sich nicht leugnen, dass der Kalte Krieg erneut aufgeflammt ist und
keineswegs abgeschlossen scheint.
Max, der Kriminalkommissar aus München, steht vor einem inneren Konflikt
zwischen seiner Zuneigung zu seiner Mutter Theresa und den Vergehen, die sie in
der Vergangenheit begangen hat. Als ehemalige KGB-Agentin in der Bundesrepublik
Deutschland führt sie jetzt ein ruhiges Leben. Das Jahr ist 1988, und gerade
hat das erschütternde Flugzeugunglück in Ramstein stattgefunden, das 30
Todesopfer und zahlreiche Verletzte forderte. Theresas Vergangenheit beim KGB
steht im Kontrast zu ihrem jetzigen, beschaulichen Dasein in Deutschland, das
nicht mehr viele Erwartungen birgt.
Im Zweiten Weltkrieg rettete Theresa ein Mädchen namens Davaa aus einem
Konzentrationslager. Davaa wurde für sie zu einer Freundin, Schwester und
Tochter. Doch wie Theresa selbst wurde auch Davaa vom KGB ausgebildet, um im
Herzen des Kapitalismus als Waffe eingesetzt zu werden. Jahre später
informierte Markus Wolf, der damalige Leiter des Auslandsdienstes der Stasi,
Theresa darüber, dass Davaa bei einem Einsatz ums Leben gekommen war.
Noch sind die Medien voll von der Berichterstattung über Ramstein. Ein alter
Bekannter von Theresa, Sergej, zeigt ihr Videoaufnahmen von dem Unglück, weil
er der Meinung ist, in einer Person auf den Bildern Davaa entdeckt zu haben.
Obwohl Theresa nicht zugeben will, dass es sich um Davaa handelt, schließlich
wurde ihr gesagt, Davaa wäre tot, gesteht sie später ihrem Sohn, dass Sergej
recht hatte. Es war Davaa in den Bildern vom Flugzeugunglück. Theresa
aktiviert alte Bekannte und macht sich zusammen mit ihrem Sohn Max, der von
seinen Kollegen bei der Münchner Polizei bereits Mad Max genannt wird, auf die
Suche nach Davaa.
Toni Garber hat sich in diesem Politthriller ein interessantes Thema
vorgeknöpft und zeiht alle Register, um eine fiktive Geschichte glaubwürdig
erscheinen zu lassen. Und ja, man könnte meinen, dass es so gewesen sein
könnte. Die Handlung bleibt in den 1980er Jahren und geht eher von dort noch
weiter zurück. Einen Blick aus dem Heute auf das Damals gibt es eher nicht.
Neben den fiktiven Figuren, um die es sich dramaturgisch dreht, wurden viele
historische Persönlichkeiten eingebunden. Neben dem bereits erwähnten Markus
Wolf spielen auch Alexander Schalk-Golodkowski und Wladimir Putin ihre Rollen.
Putin natürlich nicht als Präsident, wohl aber als KGB-Agent in der DDR. Toni
Garber präsentiert ein wunderbares Zusammenspiel zwischen diesen Figuren. Auch
wenn das eine oder andere möglicherweise ein wenig vorhersehbar ist.
Als Leser spürt man den Spaß, den der Autor mit »Codename Herzstoss« hatte.
Doch bei manch einer Kleinigkeit schoss der Spaß über eine Linie hinaus. Einer
Flucht von Ost nach West mit einem T34-Panzer mitten in Berlin hätte es nicht
bedurft, um den Roman dramaturgisch spannend zu halten. Aber es ist sehr
unterhaltsam. Nicht nur für Max Kollegen, auch für die Leser.
Der Handlungsstrang in »Codename Herzstoss«ist zwar eindimensional, aber
keinesfalls ohne Überraschungen. Parallele Stränge stehen der Jagd nach Davaa
nicht im Wege, aber für Überraschungen ist der Strang und das Verhalten der
Gejagten immer wieder gut genug. Und selbst der Showdown am Ende des Romans
birgt noch seine Überraschungen und lässt anklingen, dass es da noch mehr
geben könnte.
Fazit
Ein gelungener Spionageroman, der spannend ist und Spaß macht. Abtauchen in die
Vergangenheit, obwohl es heute wieder akteller denn je ist.
Vorgeschlagen von Detlef Knut
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veröffentlicht am 16. Januar 2026 2026-01-16 09:51:03