Als mir dieser historische Roman von Mac P. Lorne zur Rezension angeboten wurde,
zögerte ich nicht lange. Ich habe schon viele Empfehlungen für historische
Romane ausgesprochen, aber einen mit Seefahrer-Abenteuern hatte ich bisher nicht
auf dem Radar. Der Titel allein ließ jedoch die Erinnerung an meine Kindheit
und Jugend lebendig werden. Mir geht es ähnlich wie dem Autor Mac P. Lorne,
denn auch ich habe die Geschichten über diesen Freibeuter und Korsaren bereits
durch Alexandre Dumas und Karl May entdeckt. Ich war bereit für ein spannendes
Leseabenteuer.
Die Geschichte spielt während der französischen Revolution im späten 18.
Jahrhundert und schildert das Leben eines abenteuerlustigen Seemanns, der die
Freiheit schätzt, von seiner Jugend bis zu seinem Ableben. Es ist wichtig zu
erwähnen, dass es sich hierbei um einen fiktiven historischen Roman und nicht
um eine Biografie handelt. Natürlich sind viele faktische Ereignisse aus der
Vergangenheit in die Handlung eingeflochten, aber die konkrete abenteuerliche
und spannende Handlung ist Fiktion und vom Autor erfunden.
Das erste Abenteuer, welches der Held bestreiten muss, ist seine Flucht als
Jugendlicher aus einer Jesuitenschule. Er konnte die Prügeleien und den Drill
im Namen Gottes nie als christliche Angelegenheit akzeptieren und entwickelte
seine tiefe Abneigung gegenüber der Kirche und dem Glauben. Aber er hatte nie
etwas gegen das Beten, denn da sagte er sich: "Es kann ja nichts
schaden."
Da Robert Surcouf aus einer Korsaren-Familie stammte, fühlte er stark den Drang
in sich, zur See zu gehen. Schnell schaffte er es vom Schiffsjungen zum
Vollmatrosen und darüber hinaus zum Offizier und Kapitän. Während die
französischen Häfen von den verfeindeten Briten blockiert wurden, gelang ihm
die Flucht und er konnte den Indischen Ozean erreichen.
Auch hier wurden die französischen Kolonien wie Mauritius und Réunion von den
Briten blockiert. Doch Surcouf fand immer wieder Wege, die Engländer
auszutricksen, Schiffe mit Lebensmitteln und anderen Waren aufzubringen und die
Bevölkerung in den blockierten Gebieten vor dem Verhungern zu retten. Und dies
bei lokalen Machthabern, die ihn um seine Intelligenz beneideten.
Wie auch in anderen historischen Romanen folgt ein Abenteuer dem nächsten, es
gibt immer wieder Rückschläge im Leben und auch die Liebe zu einem Mädchen
lässt sich nicht in einem Durchmarsch bewerkstelligen, denn zunächst mussten
ja auch deren Eltern überzeugt werden. Der Autor Mac P. Lorne bringt viele
historische Details in die Geschichte und spart nicht mit Informationen über
die verschiedenen Schiffstypen, ihre Größe, ihre Besatzungsstärke und ihre
Ausrüstum mit Waffen. Das ist mehr als interessant, zumal ich einige dieser
Schiffe oder Nachbauten von Ihnen live in englischen Häfen betreten konnte.
Da mir die Seefahrerei nicht fremd ist, konnte ich auch den Drang zum Leben auf
den Schiffen und die Freiheit auf den Meeren sehr gut nachvollziehen. Für mich
persönlich war dieser Roman tatsächlich ein Schritt in meine eigene
Vergangenheit. Auch die starke Figur des Protagonisten hat mir imponiert und
sein Verhalten gegenüber Napoleon Bonaparte, der den Freibeuter sehr protegiert
hatte, obwohl der ihm sehr harte Kritik angedeihen ließ. Wenn Napoleon ihn um
Rat fragte, konnte er beinahe sicher sein, dass Surcouf kein gutes Haar an
dessen Ideen ließ. Das Zusammenspiel dieser beiden Figuren ist für sich
genommen ist schon eine spannende Angelegenheit.
»Robert Surcouf« ist ein absolut fesselnder Roman, der uns auf eine aufregende
Reise in die Vergangenheit mitnimmt. Die Begegnung mit Napoleon ist nicht nur
spannend, sondern auch ein nostalgisches Wiedersehen mit einem Kindheitshelden.
Die Vielzahl an Konflikten und Herausforderungen, die gemeistert werden müssen,
hält die Geschichte lebendig und packend. Die Antagonisten sind willensstark
und geben dem Abenteuer richtig Feuer.
Fazit
Besonders gefallen hat mir, wie sympathisch die Figuren auf der Seite des
Protagonisten gestaltet sind. Es macht Spaß, mit ihnen zu fiebern! Die
Einbeziehung historischer Fakten verleiht der Geschichte eine authentische Note
und die interessante Verknüpfung von Realität und Fiktion sorgt dafür, dass
man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Wer Abenteuer und Geschichte liebt,
kommt hier voll auf seine Kosten!
Vorgeschlagen von Detlef Knut
[Profil]
veröffentlicht am 20. Dezember 2025 2025-12-20 10:12:38