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James Lee Burke: Das verlorene Paradies

Das verlorene Paradies

von James Lee Burke
Verlag: Wilhelm Heyne Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-453-42846-1

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. Mai 2024]
Eine hervorragende Lektüre

Ist die verlorene Liebe das verlorene Paradies? Ist die in einem Kampf im Koreakrieg jäh ein Ende findende Freundschaft der Verlust des Paradieses? Sind die merkwürdigen Menschen, die im großen Bus unterwegs sind, und die nur dem Anschein nach als Beatniks reüssieren das verlorene Paradies, wenn klar wird, worum es in dem Bus wirklich geht und wie die Leute darin zueinanderstehen? Oder ist ganz handfest die bittere Diagnose, mit der ein aufrechter Polizist nun zurechtkommen muss, sein "verlorenes Paradies". Oder am Ende gar die Enttäuschung des Aaron Holland Broussard gegenüber einem Mann und einer Frau, die er fast wie seine eigenen Eltern respektiert?

Viele Assoziationen sind möglich, viel en Emotionen werden bei Lesern und Leserinnen freigesetzt, wenn man sich dem Lauf dieser sprachlich bestens erzählten und in der Dynamik hervorragend angelegten Geschichte hingibt. Aaron Holland Broussard, Wanderarbeiter und Schriftsteller (in Spe), der dem großen Reiz der großen Freiheit eines freien Lebens nachgeht, der das rattern der Güterwaggons mit Freuden lauscht, der hier und da länger verweilt, wenn die Arbeit und die Umstände derselben ihm gefallen. Der "schwarze Stellen" in sich trägt, der aber mit einem einwandfreien, moralischen Kompass ausgestattet ist, nicht wenig ein- und wegstecken kann. Der Gewalt verabscheut und doch, wenn es darauf ankommt, sich durchzusetzen vermag.

Und der, das ist auch ihm selbst neu, beginnt, bei Jo Anne mehr und mehr "aufzutauen". Was ihm nicht unbedingt gefällt, worauf er auf keinen Fall vertrauen möchte und was ihm doch einen Antrag entlockt. Mit Folgen, die vorher nicht absehbar waren. Der aber, vor allem, in ein Gemenge einer Mordserie, eines patriarchalischen "großen Mannes". Dem vor allem aber eines am besten gelungen ist: Seinen Sohn zu "verhunzen" mit seiner Härte. Mit Folgen. Für alle Beteiligten. Auch für ihn, Rueben Vickers, selbst.

Eine Geschichte, die in genau der passenden Weise und immer genau am rechten Ort im Gang der Ereignisse alles verbindet, was es braucht, um in die Welt des Romans einzutauchen. Das Leben der Wanderarbeiter und warum man gut nach Denver hereinkommt, aber kaum mehr heraus. Wenn man auf einen Platz in einem Waggon angewiesen sein sollte. Inklusive Woodie Guthrie und der spürbaren Sehnsucht nach Freiheit. Die Gewalten vor Ort mit der klaren Hackordnung, die sich ohne Bedenken jeden Weges und jeden auch kriminellen Denkens bedient und dies ganz normal findet. Die langsam beginnende, aber stetig sich steigernde Liebesgeschichte, die so ganz anders, rauer und zugleich zärtlicher, erzählt wird, als man es gewöhnlich zu lesen bekommt. Mitsamt der in allen Beteiligten zu findenden düsteren Seiten, den "Dämonen" im Menschen, von der zu offenherzigen Farmersfrau über Dämonen aus der Vergangenheit (seien es Trauma des Krieges oder gar ein verlorener Vater, der von einem Tornado aus dem gemeinsamen Leben "gesaugt" wurde, aber doch weiter "herumgeistert"). Und seien es auch und nicht zuletzt im packenden Finale Anklänge einer verdammten, teuflischen Welt hinter dem, was man Realität nennen würde. Mitsamt Ritualen und Zeremonien, die einen, wieder einmal, am menschlichen Verstand stark zweifeln lassen.

""Und Du hast vor, dahinzufahren?", fragte sie":
"Willst Du mich heiraten, Jo Anne"?
"Ich liebe Dich, Aaron. Und das meine ich so, wie ich es sage. Aber im Moment ist dieser ganze Mist zu viel für mich".
"Vielleicht hätte ich nicht fragen sollen"?
"Dein Essen brennt an".

Und nicht nur das Essen wird brennen.
Fazit
In einer schlichten, beileibe aber nicht simplen oder einfach gestrickten, Sprache leuchtet Burke, wieder einmal, wunderbar erzählt und mit Tempo und Spannung an genau den richtigen Stellen, seine Figuren bis in den letzten, dunklen Winkel aus und erschafft ein Geflecht von Beziehungen und Bindungen, von Bedrohungen und Hoffnungen, von vermeintlicher und echter Freiheit und von einem Kampf zwischen gut und böse, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Ein wunderbares Buch.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Lesefreund [Profil]
veröffentlicht am 16. Mai 2024

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