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Mark Solms: The Hidden Spring

The Hidden Spring

von Mark Solms
Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-608-98514-6

Preis: 35,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 17. April 2024]
Wo und warum dort das "Ich" ist

Der Frage nach dem "Bewusstsein" hat sich Mark Solms als Wissenschaftler ein Leben lang verschrieben. Und so wundert es nicht, dass das vorliegende Werk auch eine Form der wissenschaftlichen Biographie des Neurowissenschaftlers Solms darstellt, ebenso, wie es eine Biographie der "Wissenschaft vom Bewusstsein" im Rahmen der Neuropsychologie, der Psychoanalyse und der Psychologie an sich ist (soweit sich die Psychologie mit dem Verstehen und der Verortung des Bewusstseins befasst). Wie kann es gelingen als subjektiv denkendes Wesen objektiv über das Bewusstsein zu denken und sich dieses vorzustellen? Das war eine der Kernfragen am Anfang der Forschungen von Mark Solms.

"All die Jahre später versuche ich abermals, den Schleier zu lüften und eine Blick auf den tatsächlichen Mechanismus des Bewusstseins zu erhalten".

Und das, auch wenn es ein wissenschaftliches Buch ist, Abstraktionsvermögen bei Lesern und Leserinnen voraussetzt und in manchen Teilen nicht einfach zu verstehen ist, gelingt Solms hochspannend am ende der Lektüre. Die den Satz: "Ich denke, also bin ich", etwas frei formuliert, transformiert in die Erkenntnis "ich fühle, also "bewusste" (bin) ich (ich selbst)". Mit im Übrigen der Eröffnung der Möglichkeit, nachdem verstanden wurde, was das "bewusste Ich" am ende sein könnte oder ist, ebenso zu erkennen, warum man selbst eigentlich so ist, wie man ist und, vielleicht, sogar darauf nachhaltig Einfluss nehmen zu können.

"Ich möchte Sie davon überzeugen, dass Gefühle ein Teil der Natur sind (physisch verstanden)…..und dass sie innerhalb der kausalen Matrix etwas tun". Unter anderem dafür sorgen, dass der Mensch, wenn es um sein Leben gerade nicht gut bestellt ist, sein Bewusstsein zu Hilfe ziehen kann, es besser zu machen. Gefühle sind somit eine "innere Sprache", die aus dem Leben selbst untrennbar mit dem Menschsein verbunden ist. Mitsamt dem klaren und fundiert begründeten Widerspruch, den Mark Solms gegenüber der traditionellen Neurowissenschaft und damit gegen den "Mainstream" setzt.

Nicht der "Cortex", der "Sitz der Intelligenz" ist in den Augen Mark Solms der Ort des "Bewusstseins", sondern Solms setzt den Ort des Bewusstseins im Gehirn in eine weit primitivere Region, "die wir mit den Fischen teilen". Bewusstsein hat nichts mit "Intellekt" oder "Intelligenz" zu tun, Bewusstsein in seiner elementaren Firm kann, nach Solms nun, beschrieben werden als ein "rohes Fühlen". Und stellt damit eine verblüffend einfache und eben keine komplizierte Funktion dar. Mit dem Vorteil, dass genau diese Einfachheit emotional einfache Impulse zu senden versteht. Die in der komplexen Form des menschlichen Lebens der Gegenwart dann aber eines nachfragenden Verständnisses bedarf, um als Botschaft klar und deutlich "im Verstand" auch begriffen zu werden.

Dass damit Bewusstsein auch "herstellbar" wird, dass die mechanischen Vorgänge auf dieser primitiven Ebene des Gehirns "nach-gebaut" werden können, dass ist dann eine zwar folgerichtige, aber in gewisser Weise auch ernüchternde und erschreckende Erkenntnis der Lektüre. Und verdringlicht umgehend die vielfachen kritischen Stimmen der Wissenschaft angesichts der rasant voranschreitenden Ergebnisse der KI- und AI-Entwicklung.
Fazit
Am Ende verbleibt vor allem, dass Solms das Bewusstsein als Teil des physikalischen Lebens vorhanden ist und sich entfaltet hat von Beginn des Lebens an, dass Erfahrungen in einem bestimmten, "alten" Teil des Gehirns automatisch und emotional verarbeitet werden und damit nicht als reine Funktion und dennoch in den physikalischen Grenzen des Lebens sich bildet. Und das mit mehr als reiner "Informationsverarbeitung", denn das "Bewusstsein" geht darüber deutlich hinaus.

"….dass die Erklärung der Funktion des Fühlens automatisch auch erklären wird, warum wir erleben". Womit sich Solms im großen Kreis wieder den Forschungen des jungen Sigmund Freud nähert, diese nur auf anderer als "Cortex-Ebene" interpretiert und damit den Gefühlen eine noch stärkere Bedeutung zukommen lässt, als Freud es bereits getan hatte.

Was nicht alle und nicht die letzten Fragen erklärt, aber die Neurologie auf einen andersartigen, ungewohnten und doch bestechend überzeugenden Pfad führt.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Lesefreund [Profil]
veröffentlicht am 20. Juli 2023

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