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Daniel Leese, Shi Ming: Chinesisches Denken der Gegenwart

Chinesisches Denken der Gegenwart

von Daniel Leese, Shi Ming
Verlag: Verlag C. H. Beck [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-406-80043-6

Preis: 29,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 16. April 2024]
Ein differenzierter Blick von Innen aus vielen neuen Quellen

Von vorneherein sei gesagt, die Lektüre dieses umfassenden Einblicks in die verschiedenen Strömungen des chinesischen Denkens der Gegenwart benötigt Zeit. Und Sorgfalt. Bietet dann aber einen umfassenden Einblick in eine Vielzahl, teils erstmalig übersetzter, Texte und Quellen, mithilfe derer sehr gut am ende erfasst werden kann, welche Denkmuster, Gegensätze und allgemeinen Strömungen in China vorherrschen. Und damit liegen auch Erklärungsmöglichkeiten vor Augen, welche die Verschiebungen der Prioritäten von einer ehemals breiten, marktwirtschaftlichen Öffnung hin nun zu einer konzertierten "Angleichung" der Gesellschaft in der Tiefe angehen.

"Noch immer wissen wir zu wenig darüber, wie die massiven außen- und innenpolitischen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte in der Volksrepublik China selbst diskutiert werden" - was sich mit dem vorliegenden Werk natürlich nicht absolut umfassend, durchaus aber nachhaltig verändert.

Sei es das "chinesische Selbstverständnis", das aktuelle "Staatsdenken" samt der aktuellen "Herrschaftslegitimation", sei es die, immer schon für China zentrale, "Bauernfrage und ländliche Modernisierung" bis hin zu "Zukunftsperspektiven", in großen Linien übersetzen und kommentieren die Autoren Tete aus dem Inneren Chinas samt der, von außen ja nicht immer und meist nur schwierig zu sehenden Haltungen im Land. So kann durchaus Jiang Quin "Die Regierungsform des königlichen Wegs ist der demokratischen Regierungsform überlegen" 2015 postulieren, zugleich aber liest sich bei Xu Zjangrun die Feststellung und Warnung 2020 ebenso klar im vorliegenden Werk: "Das wütende Volk lässt sich nicht länger einschüchtern".

Kritisch lässt sich der ein oder andere rote Faden durch die sehr verschiedenen Bereiche und verschiedenförmigen übersetzten Texte herauslesen. Das, vor allem, seit dem Amtsantritt Xi Jinpings bereits und in den letzten Zeiten mit erhöhter Geschwindigkeit noch es für "kritische Stimmen" immer schwerer wird, eine Plattform des "Gehört Werdens" zu finden. Doch jene "Tabuthemen" sind durchaus noch vorhanden, wenn man genauer hinschaut,

Nur eine Erkenntnis und ein Einblick, neben vielen anderen im Buch zu Wort kommenden, in die gegenwärtige gesellschaftliche und politische Lage Chinas, die aus den eher grundlegenden Texten im Werk herausgerarbeitet werden können. Mit der nötigen Zeit, Geduld und Sorgfalt, sich in eine andersartige Kultur einzulesen und sich einen offenen Blick für all jene Strömungen und Pläne innerhalb der Volksrepublik bei der konzentrierten Lektüre zu erhalten.
Fazit
Eine überaus lohnenswerte Lektüre angesichts der "Weltlage" und der zunehmenden Spannungen und Befremdung mit China vom Westen aus gesehen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Lesefreund [Profil]
veröffentlicht am 05. Juni 2023

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