Thomas Sparr: Todesfuge

Todesfuge

Verlag: Deutsche Verlagsanstalt [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-421-04787-8

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 12. Juli 2020]
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Sorgsame und inspirierende Betrachtung

"Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
Wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister
aus Deutschland".

Berühmte Zeilen eines berühmten Gedichts, welches Wolfgang Emmerich als "Jahrhundertgedicht" bezeichnet hat, "ein Gedicht, das die grundlegende Erfahrung des 20. Jahrhunderts in sich aufnimmt und weitergibt". Wie aber gar nicht so selten bei "geflügelten Worten", die auf ihre Weise Allgemeingut geworden sind, die Entstehung der Zeilen, die unmittelbare Wirkung und der spätere Werdegang verbleiben doch im Ungefähren in nicht wenigen Hinsichten.

Eine Lücke, die Thomas Sparr mit seinem ruhig verfassten, sehr kundigen und sehr verständlichem Werk nun umfassend schließt. In dem es ihm auch gelingt, den Leser an den Ursprung zurückzuführen und jene "Lyrik nach Auschwitz" oder den Zusammenhang mit der Verarbeitung des Holocaust aus ihrer Interpretation späterer Zeiten und vielen Linien der Wirkungsgeschichte auch ein stückweit herauszunehmen und sich damit "ohne Ballast" Paul Celan und seinem Gedicht auch nähern zu können.

So kreist Thomas Sparr in seiner systematischen Betrachtung des Gedichtes in bester Weise auch um die Fragen des historischen Kontextes, um die weiter reichende Wirkung der "Todesfuge" über Deutschland hinaus und nimmt ebenso an passenden Orten im Werk die Verfolgungsgeschichte der Familie von Pau Celan mit in den Blick. Und lässt dem Leser in all diesen Betrachtungen dennoch einen breiten Spielraum für persönliche Gedanken und Wirkungen der Zeilen. Eine endgültige Deutung ist schlich nicht möglich, wie Sparr nüchtern konstatiert.

"Sein ganzes Werk wendet sich gegen solche Eigentlichkeit".

Und so folgt Sparr Paul Celan Schritt für Schritt auf dem Weg hin zum Gedicht, folgt dem Gedicht in seiner Wirkung und verbindet dies mit einem wesentlichen Moment des Schaffens Celans, für den Daten und Geographie eine zentrale Rolle gespeilt haben im Zuge der "Poetik der Orte und Daten" Celans. So gibt Celan selbst den Weg mit vor, im Gedicht auch die Essenz seines konkreten Lebens mit einfließen zu lassen und damit durch das Gedicht hindurch auch den Mann und Menschen Paul Celan mehr und mehr fassen zu können. Ein Prozess, den der Leser mit Freude begleitet und den Sparr in bester Weise vor Augen legt. Was damit auch zu einer deutlich erkennbaren biographischen Abhandlung üb Paul Cezan und die Seinen selbst führt.
Fazit
Somit bietet die Lektüre nicht nur den Gewinn, die "Todesfuge" besser verstehen und einordnen zu können, sondern eröffnet auch den Blick für das Zeitgeschehen selbst, die gesellschaftlichen Strömungen der Jahrzehnte nach 1945 und die Welt der Literatur jener Zeit in vielfältigen Querverbindungen.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. Mai 2020

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